Ein Tag im Leben von ...

«Abends Bandauftritt, morgens an der Orgel»

Gian Hofer (24), Pianist, frischgebackener Jazz-Bachelor und Organist aus Schoren.

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Text: Patrick Jordi / Bilder: zvg
Datum: 22. Oktober 2025

Freitag ist für mich der Tag, an dem oft viel passiert – und trotzdem ist er irgendwie entspannt. Der Tag beginnt meist langsam. Wenn kein Altersheim-Gottesdienst ansteht, schlafe ich ein wenig aus. Heute aber geht’s um 10 Uhr los im Haslibrunnen – ein Minigottesdienst mit Predigt und zwei, drei Liedern, die fast alle auswendig mitsingen können. Ich begleite am Klavier. Es berührt mich, wie sehr das den Alltag der Leute aufhellt. Danach: ab nach Hause, Zmittag bei meinen Eltern. Einfach, aber fein – ich darf noch hinsitzen.

Am Nachmittag unterrichte ich an der Oberaargauischen Musikschule: Klavier, E-Piano, aktuell etwa acht Schüler. Der Übergang vom Studenten zum Lehrer war fliessend. Mein Bachelorstudium an der «Hochschule Luzern – Musik» habe ich kürzlich abgeschlossen, bald starte ich den Master in Instrumentalpädagogik mit Hauptfach Jazzpiano. Ziel: eine feste Stelle als Musiklehrer. Realistisch ist das mit Teilpensen – 100-Prozent-Stellen gibt’s fast nie in unserem Beruf. Parallel bin ich auch als Organist tätig – in Lotzwil und Langenthal, wo ich besonders gerne an Konfirmationen spiele. Die Orgel ist für mich nicht nur ein Instrument, sondern auch eine Art Ganzkörpertraining. Anfangs hatte ich regelrecht Muskelkater – da spielt man mit Händen und Füssen gleichzeitig, ganz ohne Haltepedal.

Am Abend steht ein Konzert an – heute mit unserer Bluesband «The Bluestooth». Am späten Nachmittag treffen wir am Veranstaltungsort ein, das meiste Equipment bringen wir selbst mit: Instrumente, Mikrofone, Soundanlage. Nach dem Aufbau folgt der Soundcheck, dann bleibt meist gerade genug Zeit für einen Happen und ein kurzes Durchatmen, bevor wir ins Set starten – manchmal bis 22.30 Uhr oder länger. Danach heisst es abbauen, Kabel einrollen, alles wieder verladen. Da ich als Einziger aus dem Oberaargau komme, muss ich nicht mehr mit nach Wichtrach, wo unser Bandraum ist, sondern kann direkt nach Hause fahren. Trotzdem wird es spät – oft tief in der Nacht. Und manchmal geht’s fast nahtlos weiter: Wenn der Auftritt an einem Samstagabend war, sitze ich am Sonntagmorgen schon wieder an der Orgel in der Kirche.

Optisch falle ich wohl schon ein wenig auf – gross, schwarze Locken, Bart, dazu die Wollmütze, die ich nie ganz über die Ohren ziehe. Mein Kleidungsstil ist schlicht, gerne Ton in Ton – Hauptsache bequem. Beim Spielen bin ich nicht der Typ für Show, aber mein Kopf und Oberkörper bewegen sich automatisch im Takt. Die Musik spüre ich in jeder Faser.

Freizeit? Klar, ein bisschen. Ich fahre gerne mit dem Zug durch die Schweiz – vor allem zu Konzerten oder einfach zum Abschalten. Manchmal drehe ich eine Runde mit dem E-Bike. Und abends treffe ich mich mit Freunden auf Discord – wir wohnen alle verstreut, das ist quasi unser digitales Lagerfeuer. Nebenbei schreibe ich eigene Stücke, manchmal aus Handy-Sprachmemos geboren – die beschrifte ich dann gerne so: «Neue Aufnahme 239» (schmunzelt).

Mein Kalender ist bunt: jede Band, jede Probe, jeder Gig – farblich sortiert. Ohne genaue Planung geht gar nichts. Und doch: Es ist genau dieses bunte Durcheinander, das mich antreibt. Professionell Musik machen, unterrichten, spielen, erleben – das ist offensichtlich mein Weg.

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