Volkshochschule Oberaargau
«Bildung fürs Leben»
Die Volkshochschule Oberaargau (VHS OA) ist seit über 80 Jahren eine feste Grösse in der regionalen Erwachsenenbildung. Sie steht für qualitativ hochwertige und erschwingliche Kurse mit einem breiten Angebot – von Sprachen über Kreatives bis hin zu Yoga. Karin Wagner und Edith Neuenschwander, Co-Leitung der Geschäftsstelle, über das Image der Volkshochschule, neue Herausforderungen und warum ein Kursbesuch weit mehr ist als reines Lernen.
Text: Patrick Jordi, PR / Fotos: Urs Nyffenegger
Datum: 19. Dezember 2025
Die Volkshochschule Oberaargau ist seit vielen Jahren im Bildungsleben der Region präsent. Wie würden Sie Ihre Rolle heute beschreiben?
Edith Neuenschwander: Wir verstehen uns als Ort des lebenslangen Lernens. Bildung soll für alle zugänglich, erschwinglich, qualitativ hochwertig und offen sein. Oft werden Volkshochschulen noch mit einem «verstaubten» Image verbunden. Wer jedoch an einem unserer Kurse teilnimmt, ist meist überrascht, wie modern, vielfältig und lebendig unser Angebot ist.
Welche Vielfalt erwartet die Teilnehmenden konkret?
Karin Wagner: Unser Hauptstandbein sind die Deutsch-als-Zweitsprache-Kurse (DAZ). Sie umfassen rund 70 Prozent unseres Angebots. Daneben bieten wir zahlreiche weitere Sprachkurse – von Englisch und Französisch bis Spanisch und Italienisch –, dazu Fitnesskurse wie Yoga oder Bodyforming, Kreatives wie Floristik oder Töpfern sowie Persönlichkeitsentwicklung, etwa Rhetorik oder Zeitmanagement. Auch ausgefallenere Kurse wie Eisbaden oder Farbanalyse haben wir bereits mehrmals durchgeführt. Wir sind selbst immer wieder überrascht, welche Themen plötzlich gefragt sind.
Welche gesellschaftlichen Trends wirken sich auf Ihr Angebot aus?
Edith Neuenschwander: Wir merken, dass die Kursfristigkeit zunimmt. Gewisse Personen melden sich am Morgen an und stehen am Abend schon im Kurs. Das erfordert von uns und unseren Kursleitenden grosse Flexibilität. Gleichzeitig steigt das Bedürfnis nach persönlichen Begegnungen: Nach der Pandemie schätzen viele das Lernen vor Ort umso mehr – gerade Menschen, die digitale Angebote nicht gleichermassen nutzen wollen.
Sie haben die DAZ-Kurse erwähnt. Welche Bedeutung haben sie für die Integration?
Karin Wagner: Sie sind enorm wichtig. Unsere Kursleitenden vermitteln nicht nur Sprache, sondern auch Schweizer Kultur und Werte. Es gibt gemeinsame Aktivitäten wie Grillabende im Sommer oder ein Wichteln vor Weihnachten. Die Teilnehmenden kommen aus ganz unterschiedlichen Ländern, zuletzt vermehrt aus der Ukraine. Da entstehen enge Beziehungen – und oft auch echte Freundschaften. Besonders geschätzt werden unsere Abendkurse, weil sie auch Berufstätigen den Zugang ermöglichen.
Die Volkshochschule ist auch ein sozialer Treffpunkt. Haben Sie ein Beispiel?
Edith Neuenschwander: Eine Englischklasse trifft sich einmal wöchentlich vormittags zum Kurs. Als wir vor Kurzem eine zeitliche Verschiebung vorgeschlagen haben, war das undenkbar, denn das anschliessende gemeinsame Kaffeetrinken war fest eingeplant. Solche Rituale sind genauso wichtig wie die Lerninhalte selbst.
Wie unterscheidet sich die VHS OA von anderen Bildungsanbietern in der Region?
Karin Wagner: Unsere Stärke liegt in der Mischung: Wir sind gemeinnützig und nicht profitorientiert. Das ermöglicht faire Kursgebühren bei gleichzeitig hoher Qualität. Zudem sind wir stark regional verankert – viele unserer Kursleitenden leben selbst hier und kennen die Bedürfnisse der Bevölkerung. Dieser persönliche Bezug unterscheidet uns von anonymen Online-Angeboten oder rein kommerziellen Schulen. Bei uns geht es nicht nur ums Lernen, sondern auch ums Begegnen.
Wie finanziert sich die VHS OA?
Karin Wagner: Wir sind ein Non-Profit-Unternehmen. Unsere Einnahmen stammen aus Kursgeldern und Beiträgen der Gemeinden. Für die DAZ-Kurse und die Grundkompetenzen besteht ein Leistungsauftrag mit dem Kanton Bern, den wir gemäss den vereinbarten Vorgaben erfüllen. Trotzdem sind die Finanzen immer eine Herausforderung – gerade, wenn Bund und Kanton Gelder kürzen wollen.
Zahlen, Daten, Fakten: Was lässt sich sagen?
Edith Neuenschwander: Gegründet wurde die Volkshochschule bereits 1943. Heute zählen wir rund 1500 Teilnehmende pro Jahr, mit etwa 200 Kursen und 4500 Kursstunden. Unser Team umfasst 50 Kursleitende, davon etwas mehr als 30 mit regelmässigem Engagement. Wir sind in Langenthal, Herzogenbuchsee und Huttwil präsent – und ziehen auch Teilnehmende aus Nachbarkantonen an.
Wenn Sie einen Blick in die Zukunft werfen: Wohin entwickelt sich die Volkshochschule?
Karin Wagner: Wir wollen künftig noch sichtbarer werden – gerade auch in den sozialen Medien. Im Programm 2026 planen wir einen Kurs zur Künstlichen Intelligenz, ein Thema, das die Gesellschaft bewegt. Gleichzeitig bleibt unser Anspruch: Bildung für alle – erschwinglich, nahbar und mit viel Freude am Lernen.
Wo kann man sich informieren?
Edith Neuenschwander: Unser neues Programm ist soeben erschienen. Alle Angebote sind online unter www.vhs-oberaargau.ch zu finden, natürlich beraten wir auch gerne persönlich. Ein Tipp ist zudem unser Sprachcafé in Langenthal: locker, unverbindlich, mit kleinem Unkostenbeitrag und grosser Wirkung.
Schlagworte: Bildung