200 Jahre Mobiliar - Interview mit Valérie Bodenmüller.

«Die Mutigen belohnt das Leben»

200 Jahre Mobiliar, fast fünf Jahre als Generalagentin in Langenthal: Valérie Bodenmüller führt eine der traditionsreichsten Generalagenturen der Schweiz mit eigener Handschrift in die Zukunft. Im Gespräch erzählt sie, weshalb sie Respekt vor der Geschichte hat, was ihr in der Führung besonders wichtig ist, weshalb Kundennähe trotz Digitalisierung entscheidend bleibt und warum sie sich heute weit über ihre berufliche Tätigkeit hinaus für Langenthal engagiert.

Mobi_Foto 1_Karte Schadentage_200Y

Text: PR / pj / Fotos: zvg
Datum: 9. September 2026

Valérie, die Mobiliar feiert ihr 200-Jahr-Jubiläum – und du führst die Generalagentur Langenthal und Huttwil bald seit fünf Jahren. Was bedeutet dir dieses Jubiläumsjahr?

Es macht mich stolz, Teil dieser aussergewöhnlichen Geschichte zu sein. 200 Jahre sind für ein Unternehmen eine unglaubliche Zahl – und dass wir nach wie vor unsere genossenschaftlichen Werte leben und hochhalten, ist zentral. Wir spüren, dass dieses Jubiläum auch bei unseren Kundinnen und Kunden wahrgenommen wird. Dass auch unsere Generalagentur auf eine 200-jährige Geschichte zurückblicken kann, macht dieses Jubiläum für mich noch spezieller.

Du hast Anfang 2022 eine Generalagentur übernommen, die zuvor während 117 Jahren von der Familie Meyer geprägt worden ist. Wie bist du damals an diese Aufgabe herangegangen?

Mit grossem Respekt – aber ohne Angst. Ich sagte damals zu Bernhard Meyer: «Ich will nicht in deine Fussstapfen treten, ich will mit meinem Team unseren eigenen Weg gehen.» Genau das war mein Anspruch. Die Übergabe war beispielhaft: Von Anfang an hatte ich die Unterstützung, und dafür bin ich ihm bis heute dankbar.

Was wolltest du verändern – und was unbedingt bewahren?

Die Kultur der Generalagentur war schon damals geprägt von grosser Kundennähe, Loyalität und Wertschätzung. Das wollte ich unbedingt erhalten. Gleichzeitig habe ich neue Impulse gesetzt – etwa bei der internen Kommunikation oder beim Thema Weiterbildung. Ich ermutige unsere Mitarbeitenden, sich weiterzuentwickeln – fachlich wie auch persönlich. Natürlich müssen Weiterbildungen auch immer sinnvoll sein und zum Job-Profil passen. Vieles war sehr gut – ich wollte darauf aufbauen und natürlich gibt es bei jedem Führungswechsel automatisch eine neue Handschrift.

Du bist Quereinsteigerin und hast ursprünglich Kommunikation, Politik und Journalismus studiert. Wie sehr hat dich dieser Weg geprägt?

Sehr. Eigentlich habe ich in meinem Berufsleben fast immer etwas gemacht, das ich nicht gelernt hatte. Gerade deshalb bin ich überzeugt, dass Quereinsteiger erfolgreich sein können – wenn sie Talent, Neugier und den Willen mitbringen, sich stetig weiterzuentwickeln. In unserem Beruf muss man Menschen mögen – egal in welcher Funktion. Denn als persönlichste Versicherung stehen die Menschen im Mittelpunkt – ob als Mitarbeitende, Kunden oder die Gesellschaft als Ganzes. Zudem glaube ich fest daran: Die Mutigen belohnt das Leben.

Valérie Bodenmüller mit ihrer Vespa.

Obwohl du nicht im Oberaargau aufgewachsen bist, bist du heute in Langenthal stark verwurzelt. Wie ist dir das gelungen?

Ich bin überzeugt: Man wird nicht integriert – man integriert sich selbst. Deshalb habe ich mich von Anfang an engagiert. Heute darf ich unter anderem das Oberaargauische Schwingfest 2027 als OK-Präsidentin mitgestalten und engagiere mich im Vorstand von avenir49, einer neuen Plattform, die Brücken zwischen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft schlagen möchte. Wer bereit ist, Verantwortung zu übernehmen und aktiv auf Menschen zuzugehen, wird irgendwann Teil einer Gemeinschaft. Heute fühle ich mich in Langenthal privat wie beruflich zu Hause – auch wenn meine Walliser Wurzeln für mich nach wie vor sehr wichtig sind.

Die Versicherungsbranche verändert sich rasant. Was beschäftigt dich aktuell am meisten?

Die Digitalisierung verändert unseren Alltag enorm. Viele Kundinnen und Kunden möchten heute möglichst vieles digital erledigen, andere schätzen weiterhin das persönliche Gespräch. Unser Anspruch ist, beides miteinander zu verbinden. Wir wollen digital persönlich bleiben. Gleichzeitig beschäftigen uns Themen wie künstliche Intelligenz und die zunehmenden Unwetterschäden. Wenn heute ein heftiges Gewitter angekündigt wird, denke ich nicht mehr zuerst an das Naturschauspiel, sondern daran, was das für unsere Kundinnen und Kunden bedeuten könnte.

Die Mobiliar setzt sich seit Jahren auch stark für Prävention ein. Weshalb ist dir das wichtig?

Prävention gehört für mich genauso zu unserer Verantwortung wie die Schadenregulierung. Natürlich helfen wir schnell und unkompliziert, wenn etwas passiert. Noch schöner ist aber, wenn Schäden gar nicht erst entstehen. Deshalb engagiert sich die Mobiliar seit Jahren bei Hochwasserschutzprojekten – auch hier in der Region. Dieses langfristige Denken passt sehr gut zu unserer genossenschaftlichen Philosophie.

Trotz Digitalisierung setzt die Mobiliar weiterhin konsequent auf persönliche Nähe. Warum?

Weil sie den Unterschied macht. Das Leben leben – wir sind da. Das ist unsere Überzeugung. Diese ist zentral in der Beratung, aber gerade auch im Schadenfall möchten die Menschen jemanden an ihrer Seite wissen, der ihre Situation versteht und rasch handeln kann. Wir verfügen weiterhin über Schadenexpertinnen und -experten vor Ort und erledigen den allergrössten Teil der Schadenfälle direkt in der Region. Unsere Mitarbeitenden kennen die Menschen und die Region. Genau diese Nähe macht unsere Generalagenturen seit 200 Jahren aus – und ich bin überzeugt, dass sie auch künftig unser grösster Trumpf bleiben wird.

Wie würdest du deinen Führungsstil beschreiben?

Führung ist eine anspruchsvolle Aufgabe, weil jeder Mensch unterschiedliche Bedürfnisse, Erwartungen und Stärken mitbringt. Ich versuche deshalb, so zu führen, wie ich selbst geführt werden möchte: offen, respektvoll, transparent und auf Augenhöhe. Eine gute Teamkultur entsteht jedoch nicht allein durch die Führungskraft. Sie wird von allen mitgestaltet – durch Vertrauen, Offenheit und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.

Wo möchtest du die Generalagentur Langenthal und Huttwil in fünf Jahren sehen?

Ich wünsche mir, dass wir weiterhin als die Generalagentur wahrgenommen werden, die den Menschen wirklich nahe ist – als verlässliche Partnerin in Versicherungs-, Vorsorge- und Hypothekarfragen und als attraktive Arbeitgeberin. Ebenso wichtig ist mir unser gesellschaftliches Engagement. Als Genossenschaft wollen wir Verantwortung übernehmen, Präventionsprojekte fördern und unsere Region aktiv mitgestalten. Wenn unsere Kundinnen und Kunden auch in fünf Jahren sagen: «Bei der Mobiliar kennt man mich noch persönlich», dann haben wir vieles richtig gemacht.

Valérie, vielen Dank für dieses Gespräch.

Von Bernhard Meyer zu Valérie Bodenmüller – ein Bild, das damals bei der Übergabe entstanden ist.

Verwandte Inhalte