Erlebniswelt Oldtimer-Traktoren.

Dieselduft und Bulldog-Feuer

Langenthals Ex-Stadtpräsident Thomas Rufener hat am Geissbergweg 16 eine «Erlebniswelt Oldtimer-Traktoren» eingerichtet. In der ehemaligen Steinbildhauerei zeigt er funktionstüchtige Kultfahrzeuge aus der Frühzeit der Motorisierung – und schlägt zugleich ein persönliches Kapitel Technikgeschichte auf. Denn sein Urgrossvater mütterlicherseits soll 1904 das erste Auto in Langenthal gekauft haben.

MYLA, Stadtmagazin Langenthal

Text: Patrick Jordi / PR
Datum: 20. September 2025

Mit einem dumpfen «Wumm» schlägt die Flamme gegen den glühenden Metallkopf. Es riecht nach Öl und Diesel. Erinnerungen an längst vergangene Zeiten werden wach. Thomas Rufener beugt sich konzentriert über den Einzylinder-Motor seines Lanz Bulldog D9531 aus dem Jahr 1938. Ein erneuter Griff zur Heizlampe, wo er sachte die Handpumpe betätigt. Dann langt er zum Steuerrad – das nicht fix montiert ist –, steckt dieses seitlich auf die Kurbelwelle und bringt mit einem kräftigen Ruck den Motor zum Laufen. Die Maschine schnaubt, vibriert, lebt. «Das ist kein Knopfdruck wie beim heutigen Auto», sagt er und lächelt. «Hier braucht es Feuer, Geduld – und ein wenig Ehrfurcht.»
Thomas Rufener, Ex-Stadtpräsident von Langenthal, Agronom ETH, Unternehmer, Familienmensch – und jetzt auch Besitzer und Gastgeber der Erlebniswelt Oldtimer-Traktoren am Geissbergweg 16 –, hat eine neue Leidenschaft in Form gegossen. In der früheren Steinbildhauerei Wyler, unweit seines Wohnorts im Kirchenfeld, hat er im Erdgeschoss eine Werkstatt eingerichtet, die mehr ist als ein privates Museum: Sie ist ein Ort für Begegnung, Geschichte und Technik, eingebettet in das Konzept des Restaurants Hirschenbad, dessen Eigentümer er ebenfalls ist.

«Ein Bulldog will arbeiten»

«Ich bin nicht Mechaniker von der Pike auf, aber ich komme vom Bauernhof, habe einen gewissen Zugang zu Maschinen. Und wenn man will, lernt man praktisch alles – auch das Anwerfen eines Glühkopfmotors», erzählt der 71-Jährige. Er spricht nicht wie ein Sammler, sondern wie ein lebendiger Chronist der Maschinen-Ära. Jeder seiner Traktoren – Hürlimann, Bührer, Alpina, Grunder – hat Geschichte, Charakter, Geräusche und Gerüche. Und alle sind funktionstüchtig, geprüft und für den Strassenverkehr zugelassen. Vier Traktoren sind sogar mit Veteranenausweisen ausgestattet.
«Ich will keine ausgeschlachteten Oldtimer, bei mir muss etwas noch funktionieren. Ich fahre die Maschinen regelmässig, sonst bekommen sie Standschäden.» Oft geht’s in Richtung Steckholz, einfach der Bewegung wegen. «Ein Bulldog will arbeiten», weiss Rufener.
Die technische Faszination kommt nicht von ungefähr. Sein Grossvater mütterlicherseits, Walter Iff, war Gründer der Schulhausgarage an der Schulhausstrasse – eine Autowerkstatt der Pionierzeit, in der noch echte Handarbeit geleistet wurde. Der Geruch von Schmieröl und Benzin, die mechanischen Geräusche, all das hat sich tief ins Gedächtnis eingeprägt. Und dann gibt es da noch ein ganz besonderes Dokument: Eine Kaufurkunde aus dem Jahr 1904, ausgestellt auf Jakob Iff – Thomas Rufeners Urgrossvater mütterlicherseits. «Ein Darracq 12 HP, ein französisches Modell, wohl eines der ersten Autos in Langenthal – wenn nicht sogar das erste», erzählt er. «Ich weiss nicht genau, warum er es gekauft hat. Vielleicht, um mit Nähmaschinen zu seiner Kundschaft zu fahren – er betrieb damals an der Farbgasse ein Mercerie- und Nähmaschinen-Geschäft. Doch wie auch immer: Das Dokument ist echt, das ist sicher.»

Fahrzeuge mit Kult-Status

Thomas Rufeners erstes restauriertes Exemplar war ein Alpina aus den 50er-Jahren – gefunden für 1500 Franken, in der Ostschweiz. Später kamen die legendären Lanz Bulldogs dazu, darunter ein Modell D7506, das im Kriegsjahr 1941 von Mannheim in die Schweiz eingeführt wurde. «In Deutschland sind diese Fahrzeuge Kult, in der Schweiz eher Raritäten.» Mit viel Selbststudium, Internetrecherche und Beratung von einem jungen Mechaniker aus dem Emmental eignete sich Rufener das Know-how an. «Das war ein Prozess. Du kannst so einen Traktor nicht einfach kaufen und losfahren.»
Die Erlebniswelt entstand nicht aus einem kommerziellen Kalkül, sondern aus einer Mischung aus Leidenschaft, Familiensinn und einer pragmatischen Idee: «Was kann man dem Restaurant Hirschenbad noch hinzufügen, damit es sich besser trägt? Heute suchen viele Gäste das Spezielle – ein Apéro mit Erlebnis, Technik zum Anfassen, Geschichte zum Erleben.» Und so ist es möglich, Gruppenanlässe zu buchen – inklusive Werkstattführung und Apéro, Bulldog-Start, Geräusch- und Geruchserlebnis, vielleicht mit anschliessendem Essen im Hirschenbad (vgl. QR-Code).
«Ich bin bei jedem Werkstatt-Anlass persönlich dabei – nicht nur, weil ich die Maschinen am besten kenne, sondern weil es mir auch Freude macht.» Rund zwei- bis dreimal im Monat führt Rufener durch die Werkstatt, stets auf Anfrage. Öffentlich zugänglich ist die Erlebniswelt nicht. «Wenn ich dort bin, kann man aber auch spontan reinschauen.»
Die konzeptionelle Verbindung zum Restaurant, das direkt neben dem Landwirtschaftsbetrieb Stall Badgut der Familie Jäggi-Rufener liegt, ist kein Zufall. Thomas Rufener ist Alleinaktionär der Hirschenbad AG. «Wir hatten 2018 einen schönen Start, doch die Gastronomie ist sehr volatil geworden – Peaks an Sommerwochenenden, dann wieder ruhigere Zeiten. Da braucht es Ideen. Und natürlich sehr viel Herzblut.»

Paradies für Enkelkinder

Auch privat nutzt er die Werkstatt – unter anderem mit seinen sechs Enkelkindern. Für sie hat er ein kleines Paradies geschaffen: mit Mini-Kletterwand, Maltisch und «Töggelikasten». «Mit einem Enkelkind baue ich gerade einen kleinen 4-Zylinder-Motor nach – das macht Spass, ihm und mir. Bestenfalls möchte ich ihnen etwas mitgeben, nicht nur Geschichten, sondern auch das Handwerk, wo sie sich mit ihren eigenen Ideen verwirklichen können, und ein gewisses technisches Verständnis.»
Für Thomas Rufener bedeutet Technik mehr als nur Mechanik. Sie ist Teil einer Kultur, die von Pionieren getragen wurde – wie von seinem Grossvater Walter Iff oder dem frühen Autokäufer Jakob Iff. «Diese Maschinen erzählen Geschichten. Und sie funktionieren heute noch – das ist für mich das Grösste.»


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  • Bilder: Thomas Peter

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