IB Langenthal AG

«Energie neu denken»

Jürg Häusler, Verwaltungsratspräsident der IB Langenthal AG, und IBL-Direktor Rudolf Heiniger sprechen über den geplanten Gasausstieg ab 2040, umfangreiche Investitionen in Wärmeverbünde und weitere Grossprojekte – und darüber, was dieser tiefgreifende Umbau für das Unternehmen bedeutet.

LANGENTHAL MYLA INDUSTRIELLE BETRIEBE LANGENTHAL

Text: Patrick Jordi, PR / Bilder: Markus Jegerlehner
Datum: 16. März 2026

Rudolf Heiniger, Jürg Häusler: Letzten Herbst setzten Sie mit der Ankündigung des Gasausstiegs ab 2040 ein deutliches Zeichen. Wie haben Langenthals Bevölkerung und Politik seither reagiert?
Rudolf Heiniger: Die Reaktionen aus der Bevölkerung waren überwiegend positiv. Wir haben den Schritt gemeinsam mit der Stadt sorgfältig vorbereitet. Der Informationsanlass im Parkhotel stiess auf grosses Interesse: Rund 250 Personen nahmen teil, das entspricht etwa zehn Prozent unserer Gaskundinnen und -kunden. Entscheidend war, dass wir das Vorhaben transparent erklären und Fragen direkt beantworten konnten. Die Diskussionen waren sachlich und konstruktiv, kritische Stimmen blieben vereinzelt.
Jürg Häusler: Das gesellschaftliche Bewusstsein für Energiefragen hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Spätestens seit der Mangellage nach dem Kriegsbeginn in der Ukraine ist vielen klar geworden, welche Bedeutung Energie hat und woher sie stammt. Wenn man sagt, der Gasausstieg sei der falsche Weg, stellt sich automatisch die Frage nach der Alternative – und die gibt es aus unserer Sicht nicht, wenn man fossile Energien ernsthaft hinter sich lassen will.
Rudolf Heiniger: Wir haben zudem einen separaten Informationsanlass für die Mitglieder des Stadtrates durchgeführt. Auch wenn die Beteiligung nicht riesig war – es waren alle Fraktionen vertreten, und die Gelegenheit, Fragen zu stellen, wurde rege genutzt. Ich glaube, wir konnten auch hier unsere Beweggründe gut darlegen.

Und wie haben die Industrieunternehmen reagiert, die auf Prozessgas angewiesen sind? Sie sollen vom Ausstieg ja nicht oder nur bedingt betroffen sein, weil sie ab 2040 nach Möglichkeit mit erneuerbaren Gasen versorgt werden sollen.
Rudolf Heiniger: Diejenigen Unternehmen, die nicht vom Ausstieg betroffen sind, machen nur einen sehr kleinen Teil aus. Wir sprechen von rund 20 bis 25 Betrieben bei insgesamt etwa 2500 Gaskundinnen und -kunden. Für die grosse Mehrheit der KMU bedeutet der Ausstieg ab 2040 tatsächlich das Ende der Gasversorgung.
Jürg Häusler: Von einzelnen grösseren Industrieunternehmen gab es Rückfragen, was nachvollziehbar ist. Wichtig ist deshalb die klare Einordnung: Es handelt sich um einen sektoriellen Ausstieg. Prozessgas, das industriell zwingend benötigt wird und aktuell nicht einfach ersetzbar ist, soll auch über 2040 hinaus zur Verfügung stehen – dannzumal allerdings möglichst über erneuerbare Gase.

Nochmal ganz einfach gefragt: Warum ist der Gasausstieg ab 2040 überhaupt notwendig?
Jürg Häusler: Es geht im Kern um zwei Dinge: Ökologie und Wirtschaftlichkeit. Fossiles Gas ist eine begrenzte Ressource, langfristig weder verlässlich verfügbar noch mit den nationalen Klimazielen vereinbar. Unsere Gesellschaft stellt ihre Energieversorgung Schritt für Schritt auf erneuerbare, möglichst lokal verfügbare Energien um – dieser Wandel ist unumkehrbar.
Rudolf Heiniger: Dazu kommt ein wirtschaftlicher Aspekt aus Sicht der IBL. Wir betreiben eines der dichtesten Gasnetze im Kanton Bern, verlieren aber laufend Kundinnen und Kunden, weil immer mehr Liegenschaftsbesitzerinnen und -besitzer von sich aus auf andere Heizsysteme umstellen. Das Netz wird sozusagen zum «Emmentaler Käse»: Die Einnahmen nehmen ab, aber die Kosten bleiben, denn das ganze Netz muss weiterhin betrieben und unterhalten werden. Das ist auf Dauer nicht tragfähig. Deshalb ist der Gasausstieg auch eine Frage der Verantwortung. Übrigens: Die beste Energie ist jene, die wir gar nicht erst brauchen. Darum beginnt der Wandel bereits bei gut geplanten Neubauten und bei energetischen Sanierungen bestehender Gebäude.

Wie stark ist der Entscheid politisch getrieben – oder anders gefragt: Hat die Stadt Langenthal als alleinige Eignerin Druck ausgeübt?
Jürg Häusler: Der Entscheid ist unabhängig entstanden. Die IB Langenthal AG hat ihre Strategie selbst analysiert und sich bereits im Oktober 2024 für den Gasausstieg entschieden – noch bevor der neue Gemeinderat im Frühsommer 2025 in den städtischen Regierungsrichtlinien öffentlich kommuniziert hat, dass er den Gasausstieg vorantreiben will. Ausschlaggebend war das für die IBL langfristig sinnvollste Szenario.

Wann erfolgt die politische Genehmigung durch den Stadtrat?
Jürg Häusler: Der Entscheid liegt bei der Politik. Es ist geplant, die Vorlage Mitte 2026 in den Stadtrat zu bringen. Der Prozess wird anspruchsvoll, insbesondere wegen der nötigen Reglemente und des formalen Vorgehens.

Stichwort «Wärmeverbünde» als Alternative: Wo steht Langenthal aktuell – und wo liegen die grössten Herausforderungen?
Rudolf Heiniger: Der Wärmeverbund Hard ist seit rund drei Jahren in Betrieb. Der Verbund Nord wurde vor über einem Jahr in Betrieb genommen und wird nun schrittweise verdichtet. Beim Verbund Mitte stehen wir kurz vor dem Abschluss des Vorprojekts. Unsere Erfahrung zeigt: Jeder Wärmeverbund ist ein Unikat. Technik, Gebiet und Nachfrage unterscheiden sich stark, auch die Kundengewinnung braucht Zeit. Die Gebäudeeigentümerinnen und -eigentümer entscheiden selbst, wann sie anschliessen möchten – das macht die Planung anspruchsvoll. Betriebswirtschaftlich sind Wärmeverbünde eine grosse Herausforderung. Die Anfangsinvestitionen sind hoch, rentabel werden solche Anlagen frühestens nach rund zehn Jahren. Gleichzeitig gehen die Einnahmen aus dem früher sehr rentablen Gasgeschäft zurück. Das belastet die Finanzierung zusätzlich.
Jürg Häusler: Die Dimensionen sind enorm. Parallel zu den Wärmeverbünden investiert die IBL unter anderem in den Glasfaserausbau, in Smart Meter sowie in die Wasserversorgung Obersteckholz. Insgesamt sprechen wir in den kommenden Jahren von Investitionen gegen hundert Millionen Franken – die Wärmeverbünde sind dabei der grösste Brocken. Langfristiger Infrastrukturbetrieb ist unser Kerngeschäft, und grundsätzlich können und müssen wir über lange Zeiträume investieren und abschreiben. Mit diesen aktuellen Dimensionen stossen wir jedoch an Grenzen.

Nicht alle Liegenschaften können an einen Wärmeverbund angeschlossen werden. Welche Alternativen gibt es – und welche Rolle übernimmt die IBL dabei?
Jürg Häusler: Jede Liegenschaft muss individuell beurteilt werden. Am Anfang steht immer die bauliche Optimierung: dämmen, sanieren oder in einzelnen Fällen neu bauen. Erst danach stellt sich die Frage der Energieversorgung. Je nach Situation kommen Wärmepumpen, Erdsonden, Grundwasser, Holzfeuerungen oder Solarlösungen in Frage. Der Grundsatz bleibt: Die beste Energie ist jene, die man gar nicht braucht.
Rudolf Heiniger: Die IBL begleitet diesen Prozess als Dienstleisterin. Wir haben unsere Energieberatungen und Baubegleitungen in den letzten Jahren gezielt ausgebaut. Diese Angebote sind kostenpflichtig und existieren ergänzend zu privaten Anbietern. Unser Ziel ist es, Eigentümerinnen und Eigentümer fachlich zu unterstützen.

Wie ist die IB Langenthal AG aktuell geführt – und welche Rolle spielen Organisation, Unternehmenskultur und Anpassungsfähigkeit mit Blick auf die kommenden Herausforderungen?
Jürg Häusler: Ich habe das Präsidium 2023 übernommen und bin sehr gerne Präsident der IBL. Das Unternehmen ist gut organisiert, fachlich stark aufgestellt und dank flachen Strukturen schnell und flexibel. Der Verwaltungsrat ist nach fachlichen Skills zusammengestellt und harmoniert als Team sehr gut.
Rudolf Heiniger: Die IBL funktioniert trotz rund hundert Mitarbeitenden wie eine Familie. Der Zusammenhalt ist gross, die Zusammenarbeit in der Geschäftsleitung sehr gut, in allen Bereichen verfügen wir über eine hohe Fachkompetenz. Das heisst aber nicht, dass wir uns auf den Lorbeeren ausruhen dürfen. Die Herausforderungen sind vielfältig und gross. Wir müssen uns laufend darauf ausrichten und uns ihnen anpassen – mit Weitsicht und im Wissen, dass Kundennähe, Flexibilität und Geschwindigkeit auch künftig zentrale Stärken der IBL bleiben müssen.

Vielen Dank Ihnen beiden für das aufschlussreiche Gespräch.


Rudolf Heiniger (links), Direktor, und Jürg Häusler, VR-Präsident der IB Langenthal AG, erläutern im Gespräch die Hintergründe des geplanten Gasausstiegs ab 2040 sowie die Rolle von Wärmeverbünden und alternativen Heizlösungen für Langenthal.

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