Lamas Launen

Ich, die Lokalpatriotin

Die aktuelle Kolumne von Désirée Fessler aka Fräulein Lama – aus dem Stadtmagazin MYLA, Ausgabe Dezember 2025.

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Text: Désirée Fessler aka Fräulein Lama
Datum: 3. Dezember 2025

Vor nicht allzu langer Zeit bekam ich abends von einem meiner Berner Freunde ein Whatsapp. «Bi hüt z’erste Mal z‘Langethau. Mi Fründ spiut imne Lokal, Lakuz oder so.»

«Cool», schrieb ich zurück, «s’Lakuz wird der gfalle!»

Etwa 30 Minuten später trudelte eine weitere Nachricht bei mir ein. «Ihhh, was isch de mit öichem Bahnhof???»

Und schon spürte ich den leidenschaftlichen Drang, Langenthal zu verteidigen. Ich wollte ihm schreiben, dass unser Bahnhof selbstverständlich nicht immer so aussieht, sondern gerade umgebaut wird und wir danach einen super modernen und hübschen Bahnhof haben werden und er sich mal nicht so anstellen soll, weil der Bahnhof Bern schliesslich auch keine architektonische Meisterleistung ist und an dem schon seit gefühlt 100 Jahren daran rumgeschraubt wird und überhaupt … aber dann erinnerte ich mich daran, dass mein Berner Kolleg:innenkreis mich immer mit meinem angeblichen Lokalpatriotismus aufzieht und behauptet, ich könne nicht mit Kritik an meiner Stadt umgehen.

Um zu beweisen, dass ich sehr wohl mit Kritik an Langenthal umgehen kann, schrieb ich also gelassen zurück: «Ja, de wird grad umbaut.»

Die Antwort kam postwendend. «Vergiss de Bahnhof … wtf, stimmt mit öichne Trottoirs nid???»

Nun wurde ich wirklich ärgerlich. Redete er da gerade über unsere hohen Trottoirs, dieses einzigartige Alleinstellungsmerkmal? Schon wollte ich ihn über Sinn und Zweck dieser Trottoirs aufklären, ihm bewusst machen, auf welch geschichtsträchtigen Pflaster er seine unwürdigen Berner Füsse setzte und ihm die ganze Story mit Überschwemmungen, Langete und Entlastungsstollen erläutern – oder soll ich einfach gleich die Freundschaft mit diesem hochnäsigen Städter beenden?

Aber ich bremste mich. «Suuf nid zviu, denn gheisch au nid abe!», schrieb ich stattdessen zurück. Und da er später immerhin meinte, das Lakuz habe ihm ausnehmend gut gefallen, war auch die radikale Lokalpatriotin in mir besänftigt – und die Freundschaft gerettet.

MYLA-Kolumnistin Désirée Fessler aka Fräulein Lama.

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