«Jubilate Deo» in der Ofenhalle.

Jauchzen in sieben Sprachen

Letzten Samstagabend wurde es eng in der Ofenhalle auf dem Porzi-Areal. Wo früher Porzellan gebrannt wurde, füllten sich die Reihen mit Langenthalerinnen, Langenthalern und vielen Gästen aus der Region und weit darüber hinaus. Der Konzertverein Langenthal und der Projektchor Olten luden zum ersten von drei «Jubilate Deo»-Abenden ein – und verwandelten die Industriehalle in einen überraschend feinen, ausverkauften Konzertsaal.

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Text: Konzertbesprechung von Patrick Jordi / Bilder: Roland Kämpfer
Datum: 17. November 2025

Schon die ersten Töne von «What a wonderful world», gespielt vom Stadtorchester Langenthal unter der Leitung von Teresa Fantasia, machten klar: Die Ofenhalle kann mehr als nur rauer Charme. Die Akustik war direkter, als ich es erwartet hätte; Orchester und später die Chöre blieben gut verständlich, ohne dass der Klang je trocken wirkte. Das anschliessende Medley aus Leonard Bernsteins «West Side Story» bereitete den Boden für das Hauptwerk des Abends.

Im Zentrum stand Dan Forrests «Jubilate Deo», ein rund einstündiges Chorwerk auf der Grundlage von Psalm 100, gesungen in sieben Sprachen. Auf der Bühne standen der Frauenchor Langenthal, der Männerchor Langenthal, der Projektchor Olten, das Jugendensemble der Oberaargauischen Musikschule sowie der Jugendchor SINGtastic des SingVereins InTakt. Zusammen mit dem Stadtorchester bildeten sie einen Klangkörper, wie man ihn in Langenthal nicht alle Tage erlebt – angeführt von Philippe Ellenberger, der für die künstlerische Gesamtleitung verantwortlich zeichnete.

Als musikalischer Laie, der zwar vieles hört, aber nicht alles benennen kann, blieb für mich vor allem der Eindruck der Vielfalt haften: lateinische Eröffnung, hebräische und arabische Klänge, ein ruhiger Satz auf Mandarin, ein mitreissender Abschnitt in Zulu, spanische Rhythmen und zum Schluss wieder Latein mit Anklängen an Beethovens «Ode an die Freude». Zwischendurch trat das afrikanisch geprägte Schlagwerk in den Vordergrund, dann wieder das Erhu – ein chinesisches Streichinstrument –, das sich in den Gesamtklang einfügte.

Die Solistinnen Kathrin Hottiger (Sopran) und Eva Herger (Mezzosopran) sorgten für zusätzliche Glanzmomente. Besonders in den ruhigeren Passagen, wenn Orchester und Chöre zurücktraten, war es in der Halle so still, dass man fast vergessen konnte, sich in einer ehemaligen Fabrik zu befinden. Und selbst wer keinen direkten religiösen Bezug hat, verstand die Botschaft des Werkes: eine Musik, die Zusammengehörigkeit feiert – das Verbindende, das Einende, die Freude am Gemeinsamen. Etwas, das wir in Langenthal gut kennen und leben. Getragen wurde das Ganze sowohl von den vielsprachigen Texten als auch von Klang, Rhythmus und einer Atmosphäre, die unmittelbar berührte.

Als das letzte «Omnis terra, jubilate!» verklungen war, hielt es das Publikum nicht mehr auf den Sitzen. Eine minutenlange Standing Ovation füllte die Halle – ein kollektives Dankeschön an alle, die dieses Projekt über viele Monate hinweg getragen hatten.

Wer an diesem Abend in der Ofenhalle sass, begegnete vielen bekannten Gesichtern – auf der Bühne ebenso wie im Publikum. Vielleicht war es gerade diese Mischung aus grossem, weltumspannendem Werk und vertrauter Umgebung, die den Abend speziell machte: Ein Psalm, der «alle Welt» anspricht, aufgeführt von Vereinen, die tief in der Region verwurzelt sind, in einer Halle, die für den Wandel Langenthals steht.

Für professionelle Musikkritik bin ich nicht zuständig. Aber als Langenthaler, der vorgestern Abend dabei sein durfte, lässt sich sagen: «Jubilate Deo» hat gezeigt, was möglich ist, wenn sich so viele Menschen aus der Region zusammentun – musikalisch beeindruckend, atmosphärisch dicht und getragen von spürbarer Freude am gemeinsamen Projekt.


Hinweis:

Das Abschlusskonzert findet am Sonntag, 23. November 2025, um 17.00 Uhr, in der Friedenskirche Olten statt.

Tickets sind aktuell noch erhältlich:
https://eventfrog.ch/de/p/konzert/chor/jubilate-deo-von-dan-forrest-7257856051264817942.html

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