Loosli AG, Wyssachen und Langenthal

Jetzt stimmt der Mix

Ein bedeutendes Haus, neu genutzt: An der Mittelstrasse in Langenthal zeigt sich, wie Architekturgeschichte und Gegenwart zusammenfinden.

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Text: Patrick Jordi, PR / Fotos: zvg
Datum: 2. April 2026

Wer an der Mittelstrasse unterwegs ist, nimmt das langgestreckte Gebäude zwischen Langete, Rumipark und der schnurgeraden Verkehrsachse oft kaum bewusst wahr. Und doch zählen die Wohn- und Geschäftsliegenschaften an der Mittelstrasse 13 und 15 zu den architekturgeschichtlich bedeutendsten Orten Langenthals. Ein Bau, der auf den ersten Blick zurückhaltend wirkt – und dessen Bedeutung sich erst bei näherem Hinsehen erschliesst. Genau dieses Hinsehen lohnt sich derzeit besonders: Seit der Übernahme durch die Loosli AG erfährt das Haus eine neue Phase der Nutzung und Weiterentwicklung, und per März 2026 kehrt endgültig wieder mehr Leben in das historische Gebäude ein.

Errichtet Ende der 1920er-Jahre, gilt die Liegenschaft gemäss Bauinventar der Denkmalpflege des Kantons Bern als Pionierbau der Moderne. Entworfen wurde sie vom Langenthaler Architekten Willy Boesiger, einem engen Weggefährten Le Corbusiers. Der markante Betonskelettbau mit streng gegliedertem Grundriss, differenziert befensterten Fassaden und frühem Dachgarten folgt konsequent den Prinzipien des «Neuen Bauens». Dass sich hier Architekturgeschichte von nationaler Bedeutung verbirgt, ist von aussen kaum offensichtlich – im Innern jedoch umso deutlicher spürbar.

Verbunden mit Langenthal

Für die Familie Loosli ist das Gebäude nicht nur architektonisch, sondern auch biografisch bedeutsam. Senior Manfred Loosli absolvierte hier einst seine Schreinerlehre bei Bösiger – ein prägendes Kapitel, das eine lebenslange Verbindung ergibt. Auch familiär ist Langenthal tief verankert: Matthias Looslis Mutter stammt von der Schärerfamilie ab. «Der Bezug zu diesem Ort war immer da», sagt Matthias Loosli. «Als sich im Rahmen der Nachfolgeregelung bei Bösiger die Möglichkeit ergab, dieses Haus zu übernehmen, war das für uns ein sehr stimmiger Schritt.»

Der Übergang von der traditionsreichen Schreinerei Bösiger zur Loosli AG ist eng mit der Geschichte des Hauses verknüpft. Während Markus Bösiger das hintere Gebäude an der Mittelstrasse 15 weiterhin nutzt, gehört die Nummer 13 heute Loosli. Das Haus war auch zuvor belebt und genutzt, wurde in den letzten Jahren jedoch gezielt weiterentwickelt: Ausstellungsflächen im Erdgeschoss wurden erneuert, energetische Massnahmen umgesetzt, die Fassade instandgesetzt und Mietflächen schrittweise an neue Nutzungen angepasst. «Ein Gebäude dieser Grösse und mit Schutzstatus verlangt laufende Aufmerksamkeit», sagt Matthias Loosli. «Unser Anspruch ist es, den Bestand sorgfältig und mit Respekt weiterzuführen.»

Heute zeigt sich diese Entwicklung besonders im ausgewogenen Mietermix. Zuletzt ist die Volante Baurealisierung AG mit ihren Büros ins Obergeschoss eingezogen. «Die Atmosphäre des von uns genutzten Raums lässt sich kaum erklären», sagt Inhaber Rosario Volante. «Die gesamte Liegenschaft ist geprägt von einer Dichte konstruktiver Details von aussergewöhnlicher technischer und ästhetischer Sorgfalt.»

Im Erdgeschoss ist das Möbelnest von Sascha Vogel beheimatet. In der eigenen Werkstatt werden Secondhand-Vintage-Möbel und Designklassiker sorgfältig aufbereitet und anschliessend im Laden verkauft. Der Fokus liegt bewusst auf dem kuratierten Angebot vor Ort. «Unser Ziel ist ein Laden, der lebt – mit Möbeln, die Geschichte haben und bereit sind für ein neues Zuhause», sagt Vogel.

Ergänzt wird die Hausgemeinschaft durch das Fotostudio von Sina Guntern, die unter anderem das offizielle Bundesratsfoto 2024 realisiert hat. Hinzu kommen Ausstellungs- und Büroflächen von Loosli selbst sowie zwei Attikawohnungen mit Dachgärten, wie sie der ursprünglichen Konzeption des Hauses entsprechen.

Produktion gebündelt in Wyssachen

Die eigentliche Produktion der Loosli AG findet heute in Wyssachen statt. Dort befinden sich neben dem Werk auch eine grosse Ausstellung. «Beide Standorte haben ihre Bedeutung», betont Matthias Loosli. «In Wyssachen bündeln wir die gesamte Produktion und zeigen unsere Küchen- und Badausstellung, in Langenthal ergänzen wir dies mit einer weiteren Ausstellungsfläche in urbanem Umfeld.» Das Familienunternehmen fertigt seit 1956 Küchen, Bäder und individuellen Innenausbau nach Mass – ab Stückzahl eins. Die Bandbreite reicht vom Grossauftrag für Überbauungen oder Institutionen bis hin zum einzelnen Möbelstück, etwa einem alten Taburettli vom Grosi, das aufgearbeitet und weiterverwendet werden soll.

Am 6. Juni 2026 öffnet die Loosli AG am Hauptsitz in Wyssachen die Tore zum Tag der offenen Tür. Die Produktion kann im laufenden Betrieb besichtigt werden – ein Anlass, der nur alle fünf Jahre stattfindet. Der separate Eventhinweis dazu findet sich in dieser Ausgabe von MYLA auf der hintersten Doppelseite in der MY LA’GENDA.

  • Im Erdgeschoss – mit Zugang vom Rumipark / Flurweg her – ist seit einiger Zeit das Möbelnest von Sascha Vogel beheimatet.
Mehrere Bezüge zu Langenthal: Matthias Looslis Mutter stammt von der Schärerfamilie ab; sein Vater Manfred absolvierte hier einst seine Schreinerlehre bei Bösiger.

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