Patrick Freudiger ist der neue Stadtpräsident.

Langenthal hat gewählt

Der August 2026 hatte einiges zu bieten: Begonnen mit einem Feuerwerksverbot wegen anhaltender Trockenheit, bescherte er der Schweiz einen ungewöhnlich ruhigen Nationalfeiertag. Dann verdunkelte sich am 12. August die Sonne, ein aussergewöhnliches Himmelspektakel füllte das Sommerloch. Am 28. August folgte in den frühen Morgenstunden eine partielle Mondfinsternis. Und abgeschlossen wurde der Monat mit der Wahl zu Langenthals Stadtpräsidenten. Den Sieg holte sich dabei deutlich Patrick Freudiger von der SVP.

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Text: Roman Bärtschi / Fotos: Patrick Jordi
Datum: 31. August 2026

Es war ein aussergewöhnlicher August 2026. Zum einen der äusserst hohen Temperaturen und des wenigen Niederschlags wegen, zum anderen, weil einen in Langenthal immer die gleichen zwei Herren von den Plakatwänden grüssten. Samstags am «Wochenmärit» waren die beiden Kandidaten fürs Stadtpräsidium, unterstützt von ihren jeweiligen Sympathisanten, jeweils vor Ort, um unentschlossene Wählerinnen und Wähler auf ihre Seite zu ziehen. Und liessen dabei quasi nichts unversucht: Roland Loser von der SP bot kühlende Suppe und süsse Crêpes an und wollte damit vermutlich zeigen, dass Langenthal mehr kann als regionale Küche. Patrick Freudiger, SVP, sprach mit vielen Leuten, hörte zu und zeigte auf, wo er anpacken und umsetzen will.

Nach Reto Müllers Wahl in den Berner Regierungsrat, kam es nun also mitten in der Legislatur zur Ersatzwahl: Von links-grün ins Rennen ging Roland Loser (Jahrgang 1969), um das Stadtpräsidium von Müller zu beerben, von der bürgerlichen Seite trat mit Patrick Freudiger (JG 1984) ein lokalpolitisches Schwergewicht der SVP an.

Der letzte Wahlkampf

Es ist lange her, dass Langenthal einen richtigen Wahlkampf ums Stapi-Amt erlebt hat: Vor genau zehn Jahren standen sich der SP-Politiker Reto Müller und Stefan Costa von der FDP gegenüber. Auch mitgemischt hatte im ersten Wahlgang der partei- und chancenlose Hans-Jürg Schmied. Ein spannender Wahlkampf endete im zweiten Wahlgang mit einem Sieg Müllers, mit etwas über 400 Stimmen Vorsprung. Die folgenden zehn Jahre hielt sich Müller im Amt: Bei der Erneuerungswahl 2019 wurde er, wie in Langenthal üblich, gar nicht erst herausgefordert, bei den Wahlen 2022 versuchte sich Marco Burkhalter aus Obersteckholz (ehemals SVP, zum Zeitpunkt der Wahl parteilos) – und unterlag, erzielte dabei allerdings einen Achtungserfolg. Es war ein erster Warnschuss fürs linke Lager.

Der Wahlkampf-Rückblick

Öffentliche Diskussionsrunden zwischen den beiden Kandidaten fanden statt, zuerst in der ehemaligen Ofenhalle der Porzi, dann knapp zwei Wochen vor der Wahl im «Bären» Langenthal. Dabei zeigte sich, dass Freudiger rhetorisch geübt und sehr dossiersicher ist. Bei Loser war jeweils eine grössere Anspannung und Nervosität zu spüren, wobei er dies auch nicht verkrampft zu überspielen versuchte. Er hat dabei in weniger blumigen Worten aufzeigen können, wie er sich Langenthals Zukunft vorstellt.

Neben dem klassischen Wahlkampf – keine Ausgabe des Anzeigers ohne unzählige Wahl-Inserate – fand der Wahlkampf auch in den sozialen Medien statt. Patrick Freudiger hat sich extra dafür einen Instagram-Account zugelegt. Testimonials konnten für beide Kandidaten relativ einfach eigene Unterstützungs-Posts erstellen. Und auch künstliche Intelligenz kam zum Einsatz: Roland Losers Kopf sowie jene bekannter SP-Exponaten wurden in Filmklassiker eingesetzt – auch hier alles gemäss dem Wahlmotto: Langenthal kann mehr.

Die Kampagnen in den sozialen Medien kamen hemdsärmelig daher und passten zur allgemeinen Stimmung im Wahlkampf: Es war weder gehässig noch wurde auf persönliche Angriffe gesetzt. Man merkte, dass sich die beiden Kandidaten gegenseitig schätzten, sie sitzen zusammen im siebenköpfigen Gemeinderat und werden dies auch nach der Wahl – der Stadtpräsident ist automatisch Mitglied.

Der Stadtpräsident

Die Rolle des Stadtpräsidenten ist indes nicht zu vergleichen mit derjenigen eines Partei-Politikers. Als Mitglied des parteidurchmischten Gemeinderates ist es auch in der Verantwortung des Stapi, Kompromisse zu finden und Lösungen mehrheitsfähig zu machen. Auch kann der Stadtpräsident nicht einfach allein entscheiden, sowohl der Gemeinde- wie auch der Stadtrat reden mit. So ist auch die Interpretation der Rolle zwischen den beiden Kandidaten inhaltlich eher klein, natürlich mit gewissen Differenzen in Fragen der Priorisierung oder des Führungsstils.

Langenthal musste entscheiden, ob das Stadtpräsidium weiterhin von der SP bekleidet wird – oder ob mit Freudiger zehn Jahre nach Thomas Rufener wieder ein SVP-Politiker die Interessen Langenthals nach aussen vertritt. Während die Wirtschaft geschlossen hinter Freudiger stand, war die Unterstützung Losers eher weniger als Gruppierung fassbar.

Der Favorit

Gestützt auch auf die Resultate der letzten Gemeinderatswahlen war die Stapi-Wahl auch deshalb spannend, weil Freudiger als klarer Favorit auszumachen war: Der SVP-Mann erzielte ein Glanzergebnis, während Loser erst als Ersatz für die zurückgetretene Martina Moser nachrückte (und weil Saima Sägesser als erste Ersatzkandidatin verzichtete). Mit beiden Kandidaten wäre frischer Wind in den Glaspalast gekommen. Klar ist auch nach diesen Wahlen: Das Stadtpräsidium bleibt in Männerhand. Erst einmal hat sich eine Frau für dieses Amt aufstellen lassen, 2006 kandidierte die damalige EVP-Politikerin Paula Schaub mit Kurt Blatter (SP) und Thomas Rufener (SVP) – Rufener wurde im ersten Wahlgang gewählt.

Die deutliche Wahl

Im ersten Wahlgang wurde nun also auch Patrick Freudiger gewählt. Er, der Doktor der Rechtswissenschaften, der als Favorit gegolten hatte, siegte mit einem deutlichen Vorsprung von knapp 1’000 Stimmen. Auf Freudiger entfielen gerundet 59% der Stimmen, auf Loser 39% (leer: 2%). Die unterlegene links-grüne Seite muss sich nach dieser Niederlage fragen, ob sie es verpasst hat, früher mehr für die Nachfolge Reto Müllers zu machen – und ob sie es verpasst hat, eine Kandidatin oder einen Kandidaten gezielt aufzubauen. Dass Müller seine Segel nach Bern ausrichtete, dürfte in der SP kein Geheimnis gewesen sein.

Ob der Wind nun unter Patrick Freudiger in die richtige Richtung blasen wird, werden die nächsten zwei Jahre zeigen – dann stehen Gesamterneuerungswahlen an, und Freudiger muss sein neu gewonnenes Amt ein erstes Mal verteidigen. Bis dahin wird er beweisen müssen, dass sein Versprechen auch für links-grüne Anliegen gilt und er auch dort zuhört, anpackt und umsetzt. Denn: Alle Langenthalerinnen und Langenthaler verdienen einen Stadtpräsidenten, der sich mit Freude für ihre Anliegen einsetzt.

Die offiziellen Resultate der Stadt Langenthal findest du hier.

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