Burgergemeinde Langenthal
Neophyten im Hardwald eindämmen
Sie wachsen schnell, verdrängen einheimische Pflanzen und breiten sich oft unbemerkt aus: Invasive Neophyten sind auch in Langenthal ein Thema. Mit einem konkreten Projekt im Hardwald will die Burgergemeinde sensibilisieren – und handeln. Vorläufiger Höhepunkt ist ein öffentlicher Informationsanlass am 20. Juni.
Text: Patrick Jordi / PR / Fotos: zvg
Datum: 15. Juni 2026
Wer im Hardwald unterwegs ist, begegnet ihnen vielleicht, ohne es zu wissen: Pflanzen, die ursprünglich nicht hier heimisch sind – und sich dennoch rasant ausbreiten. Besonders der Japanknöterich gilt als problematisch. «Es ist kein akutes, aber ein latentes Problem», sagt Stefan Kuert, Burgerrat und in dieser Funktion auch Bindeglied zum Forst Oberaargau. «Wenn man nichts macht, vermehrt es sich schnell.»
Die Folgen sind sichtbar – und für den Wald gravierend. Dichte Bestände nehmen dem Boden das Licht, verhindern das Wachstum von Jungbäumen und verdrängen die lokale Vegetation. «Einheimische Pflanzen haben kaum eine Chance», erklärt Helene Jäggi, Burgerrätin mit dem Ressort Land, Wald und landwirtschaftliche Liegenschaften. «Für eine gesunde Waldentwicklung brauchen wir aber genau diesen Nachwuchs.»
Ein Grund für die Ausbreitung liegt auch im Verhalten des Menschen. Gartenabfälle, die im Wald entsorgt werden, können zur ungewollten Verbreitung beitragen. Was harmlos wirkt, wird schnell zum Problem. Entsprechend klar ist die Empfehlung der Fachleute: Neophyten gehören nicht in die Natur – sondern in den Kehricht, damit sie in der Verbrennung unschädlich gemacht werden. Und grundsätzlich gilt: In den Wald gehört kein Abfall – weder Garten- noch Haushaltsabfälle.
Konkretes Projekt im Hardwald
Als Waldeigentümerin sieht sich die Burgergemeinde Langenthal in der Verantwortung. Im Hardwald setzt sie gemeinsam mit dem Forst Oberaargau ein konkretes Projekt um. Dieses wurde vom Forst fachlich erarbeitet, wird aber von der Burgergemeinde initiiert und finanziert. Über mehrere Jahre hinweg wird der Bestand mechanisch zurückgedrängt – ohne chemische Mittel, die im Wald ohnehin verboten sind.
Konkret bedeutet das: Die betroffenen Flächen werden konsequent gemäht und von Hand bearbeitet – der Knöterich muss sprichwörtlich an der Wurzel gepackt werden. Anschliessend wird Licht auf den Waldboden gebracht, damit neu gesetzte Bäume überhaupt eine Chance haben. Gepflanzt wird ein Mischwald mit verschiedenen Laub- und Nadelbaumarten. Ziel ist ein stabiler, widerstandsfähiger Wald, in dem sich einheimische Arten wieder durchsetzen können.
In einer zweiten Phase, die im Herbst startet, sollen voraussichtlich auch die Burgerinnen und Burger aktiv eingebunden werden – etwa bei Pflanzaktionen (hier wird noch die Reaktion auf den Infoanlass abgewartet). Gerade im Bereich von Pflanzaktionen sieht die Burgergemeinde künftig auch Potenzial, beispielsweise für Schulen oder engagierte Freiwillige.
Naturprojekt mit Signalwirkung
Rund 57’000 Franken investiert die Burgergemeinde zusammen mit dem Forst Oberaargau (FOA) in dieses Projekt. Der Erfolg wird langfristig gemessen: Kann der Knöterich deutlich reduziert werden? Setzen sich die gewünschten Baumarten durch? Wird der Wald insgesamt resilienter?
Für die Burgergemeinde ist das Projekt auch Teil einer grösseren Ausrichtung: In der Öffentlichkeitsarbeit setzt sie bewusst Schwerpunkte in den Bereichen Kultur und Natur. Während unter anderem mit der «BurgerBühni» ein etabliertes Kulturprojekt besteht, steht der Einsatz gegen invasive Neophyten exemplarisch für die Sparte Natur. Parallel dazu setzt man auf Information und Sensibilisierung. «Es ist eine Aufgabe von uns allen», sagt Stefan Kuert. «Wir wollen aufklären – nicht bevormunden.»
Informationsanlass am 20. Juni
Am Samstag, 20. Juni 2026, lädt die Burgergemeinde Langenthal in den Hardwald ein. Entlang eines rund 1,5 Kilometer langen Rundgangs zeigen Fachpersonen wie Revierförster Fabien Treichler, Biodiversia-Geschäftsführer Werner Stirnimann und Willy Jost vom Verein «Lebendiges Rottal», wie Neophyten erkannt, bekämpft und richtig entsorgt werden. Der Anlass dauert von 9 bis 11 Uhr und kann individuell begangen werden.
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