Langenthal Mitte
Neuer Stadtbaustein am Bahnhof
Lange Zeit war es ruhig um «Langenthal Mitte». Abgesehen vom Rückbau der ehemaligen Geiser-Hallen am Bahnhof Nord gab es kaum sichtbare Zeichen dafür, dass sich hier eines der grössten Stadtentwicklungsprojekte der letzten Jahre konkretisiert. Doch hinter den Kulissen ist viel passiert. Inzwischen ist ein zentraler Meilenstein erreicht – und das Projekt tritt in eine neue Phase ein.
Text: Patrick Jordi, PR / Visualisierungen: zvg, Aebi & Vincent Architekten SIA AG
Datum: 18. März 2026
«Langenthal Mitte» entsteht auf einem ehemaligen Industrie- und Gewerbeareal direkt nördlich des Bahnhofs. Ziel ist es, diesen heute noch fragmentierten Ort schrittweise in einen urbanen Stadtbaustein zu verwandeln, der Wohnen, Arbeiten, Freizeit und Mobilität verbindet – und damit die Verbindung zwischen den Nordquartieren und der Innenstadt stärkt. Der Bahnhof soll künftig nicht mehr als trennende Linie wahrgenommen werden, sondern als verbindender Knotenpunkt.
Entscheidend für diesen Schritt war die Überbauungsordnung, die 2024 rechtskräftig wurde. Sie legt die planungsrechtlichen Rahmenbedingungen für das gesamte Areal in der Grösse von zwei Fussballfeldern fest und schafft damit die Grundlage für die weitere Projektierung. Besonders bemerkenswert: Das Verfahren verlief ohne Einsprachen. Für ein Projekt dieser Grössenordnung ist das alles andere als selbstverständlich – und ein deutliches Zeichen dafür, dass Politik, Behörden und die Investorin Mobimo am gleichen Strang ziehen.
Nach der Rechtskraft der Überbauungsordnung konnte die Detailarbeit beginnen. Über ein Jahr lang wurde an der ersten Etappe geplant, stets unter der Prämisse, das Projekt sorgfältig und etappenweise zu entwickeln. «Solche Areale lassen sich nicht auf einmal realisieren», sagt Mobimo-Projektleiter Pascal Ryser. «Uns ist wichtig, Schritt für Schritt vorzugehen und das Wachstum auf die Stadt abzustimmen.»
Erste Etappe hinter dem 3M-Gebäude
Im Fokus steht nun die erste Etappe des Projekts. Sie befindet sich direkt hinter dem heutigen 3M-Gebäude und bildet ein hufeisenförmiges Ensemble entlang der neuen Langsamverkehrsachse, die vom Bahnhof in Richtung Bäregg führen wird. Geplant sind rund 93 Mietwohnungen – von Lofts über 2,5- und 3,5-Zimmer-Wohnungen bis hin zu grösseren Familienwohnungen. Ergänzt wird das Wohnangebot durch publikumsorientierte Gewerbenutzungen im Erdgeschoss.
Die künftige Mieterschaft ist bewusst breit gedacht. Einerseits richtet sich das Angebot an Menschen aus grösseren Städten wie Bern oder Zürich, die gut erschlossenen, urbanen Wohnraum zu einem im Vergleich erschwinglicheren Mietzins suchen und das Pendeln nicht scheuen. Andererseits sollen auch Einheimische und Menschen aus der Region angesprochen werden, die in Langenthal wohnen bleiben oder neu Fuss fassen möchten – sei es in einer ersten eigenen Wohnung, als Familie oder in einer späteren Lebensphase.
Gerade die Erdgeschosszone spielt eine zentrale Rolle. Entlang der geplanten Gasse sollen kleinere Läden, Dienstleistungen oder ein Café Platz finden – Angebote, die sich in erster Linie an die Bewohnenden des Quartiers und an Passantinnen und Passanten richten. «Wir wollen keine Konkurrenz zur Marktgasse und zum Stadtzentrum schaffen», betont Ryser. «Es geht um quartierbezogene Nutzungen, die den Ort beleben und ergänzen.»
Architektonisch knüpft das Projekt bewusst an Langenthals Stadtkern an. Arkaden, klar gegliederte Fassaden und eine feine Fensterstruktur nehmen Elemente der Marktgasse auf, übersetzen sie aber in eine zeitgemässe, urbane Sprache. Die Gebäude erreichen bis zu sechs Obergeschosse und fassen gemeinsam mit dem Hochhaus den neuen öffentlichen Raum.
Hochhaus als Orientierungspunkt
Besondere Aufmerksamkeit erhält das geplante Hochhaus direkt beim nördlichen Bahnhofzugang. Mit einer Höhe von rund 40 Metern und 14 Geschossen setzt es an diesem Ort einen klaren städtebaulichen Akzent. Der Standort ist bewusst gewählt: Der Bahnhof gilt als Entwicklungsschwerpunkt, an dem eine solche Dichte sinnvoll ist. «In einem Hochhauskonzept für die Gemeinde Langenthal wurde dieser Standort auserlesen», sagt Ryser. «Hier ist die Erschliessung optimal, und hier verträgt die Stadt diese Höhe.»
Das Hochhaus ist Teil des Gesamtkonzepts und nicht als isoliertes Element gedacht. Im Erdgeschoss sind gewerbliche Nutzungen vorgesehen, darüber Wohnungen. Abklärungen zum Schattenwurf und zur Einbettung in die Umgebung wurden bereits im Rahmen der Überbauungsordnung vorgenommen und geprüft.
Mobilität, Freiräume und Nachhaltigkeit
Ein zentrales Element von Langenthal Mitte ist das Mobilitätskonzept. Mit einem reduzierten Parkplatzschlüssel von maximal 0,7 Parkplätzen pro Wohnung setzt das Projekt bewusst auf autoarmes Wohnen. Carsharing, Veloinfrastruktur, kurze Wege zum öffentlichen Verkehr und ein durchlässiges Fuss- und Velonetz sollen den Alltag ohne eigenes Auto erleichtern. «Die Lage direkt am Bahnhof macht das möglich», so Ryser.
Auch den Aussenräumen kommt grosse Bedeutung zu. Zwischen den Gebäuden entstehen begrünte Höfe und öffentliche Plätze, die Raum für Begegnung, Aufenthalt und Spiel bieten. Wo immer möglich, sollen Flächen entsiegelt und Bäume gepflanzt werden, um das Stadtklima positiv zu beeinflussen. Das Areal wird nach dem Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz (SNBS) zertifiziert und mit erneuerbarer Energie versorgt.
Realisierung in Etappen
Aktuell bereitet das Berner Büro Aebi & Vincent Architekten die Baueingabe für die erste Etappe vor. Diese ist für März 2026 vorgesehen. Mit einer Baubewilligung wird im Verlauf des Jahres 2026 gerechnet. Ein Baustart wäre frühestens 2027 realistisch, die Fertigstellung der ersten Etappe um 2030. Parallel dazu sollen die weiteren Etappen konkretisiert werden – stets abhängig von Nachfrage, Bewilligungen und den Rahmenbedingungen der Stadtentwicklung.
Langenthal Mitte ist damit kein kurzfristiges Projekt, sondern ein langfristiger Prozess. «Wir wollen einen neuen Stadtbaustein schaffen, der sich organisch entwickelt», fasst Pascal Ryser zusammen. «Einen Ort, der offen ist, verbindet und Langenthal in seiner Rolle als Zentrum des Oberaargaus stärkt.»
Schlagworte: Bahnhof, ESP Bahnhof, Langenthal Mitte