Interview mit SRO-Spitaldirektor a.i. Rolf Hayoz.

«Robotik wird zum neuen Standard»

Ausgewählte Eingriffe werden im Spital Region Oberaargau (SRO) seit einigen Monaten mit einem robotischen Operationssystem durchgeführt – die Reportage dazu direkt aus dem OP-Saal liest du im Stadtmagazin MYLA Dezember auf den Seiten 44/45 sowie im separaten Online-Newsartikel (siehe Link weiter unten). Ergänzend zum Thema liest du hier ein Interview mit SRO-Spitaldirektor a.i. Rolf Hayoz. Er spricht über Chancen, Investitionen und die Bedeutung für die regionale Versorgung.

Hauptbild_Spital_Langenthal

Text: Patrick Jordi, PR / Fotos: zvg
Datum: 30. November 2025

Die Einführung des OP-Roboters fällt in eine Phase, in der sich die SRO AG neu positioniert. Erst Ende September 2025 wurde die Geburtenabteilung geschlossen – ein emotionaler Einschnitt für die Bevölkerung. Die Nachricht löste Sorgen um die Zukunft des Spitals aus.

Umso stärker betont Spitaldirektor a.i. Rolf Hayoz den strategischen Wert der Investition. «Mit modernster Technologie zeigen wir, dass hochwertige Medizin auch ausserhalb der Grosszentren ihren Platz hat», sagt er. «Robotik ist kein Prestigeprojekt, sondern ein Bekenntnis zum Standort Langenthal und zu einer zukunftsfähigen Chirurgie.»

Auch Dr. med. Thomas Kinsbergen, stellvertretender ärztlicher Direktor und Leiter der Viszeralchirurgie, sieht es so: «Für uns ist DEXTER nicht nur ein technisches Highlight, sondern ein Symbol des Aufbruchs. Wir wollen hier weiterhin Spitzenmedizin anbieten – menschlich, präzise und innovativ.»

SRO-Spitaldirektor a.i. Rolf Hayoz.

Interview

Rolf Hayoz, wie wichtig ist die Investition in den neuen Operationsroboter für die SRO AG – auch im Hinblick auf die künftige Positionierung gegenüber anderen Spitälern?
Das Angebot des Roboters ist für unser Spital sehr wichtig und zukunftsweisend. In einigen Jahren werden wohl alle Spitäler mit einem Roboter arbeiten – entsprechend stellt sich die Frage künftig umgekehrt: Welches Spital hat den Wettbewerbsnachteil, keinen Roboter zu haben? Einerseits ist es für uns und unsere Ärztinnen und Ärzte wichtig, den Roboter anwenden zu können. Andererseits spüren wir deutlich, dass viele Patientinnen und Patienten den Wunsch haben, mit dieser Technologie operiert zu werden. Zudem bilden wir im SRO junge Nachwuchskräfte aus, die bereits im Studium mit diesen neuen Methoden vertraut sind.

Kann die Anschaffung des Roboters ein Signal sein, dass der Standort Langenthal langfristig gesichert bleibt – trotz der jüngsten Schliessung der Geburtenabteilung?
Nicht direkt durch den Roboter, sondern durch die Nachfrage der Bevölkerung. Uns ist es sehr wichtig, dass die Oberaargauerinnen und Oberaargauer die SRO und deren Angebote weiterhin berücksichtigen und damit die Zukunft des Spitals langfristig sichern.
Der Entscheid fiel so, dass in Langenthal zwar keine Geburten mehr stattfinden – dass das ambulante Sprechstundenangebot der Frauenklinik, die gynäkologischen Eingriffe sowie die Betreuung vor und nach der Geburt aber weiterhin hier erfolgen. In diesem Zusammenhang möchten wir erwähnen, dass auch Dr. med. Daniele Bolla (Chefarzt Frauenklinik) am Roboter geschult ist und künftig entsprechende Eingriffe durchführen wird.

Welche weiteren Investitionen in Infrastruktur, Geräte oder Angebote sind für den Standort Langenthal in naher Zukunft geplant?
Die SRO wurde zwischen 2010 und 2020 umfassend saniert und ausgebaut. Wir können heute auf eine moderne Infrastruktur zurückgreifen. Natürlich wollen wir auch künftig mit den neuesten Untersuchungs- und Behandlungsmethoden Schritt halten. Mit grosser Wahrscheinlichkeit wird die Robotik weiter ausgebaut werden – konkrete Entscheide stehen derzeit jedoch noch aus.

Wie wichtig ist für die SRO AG die enge Verankerung in der Region – etwa durch die Zusammenarbeit mit Hausärztinnen und Hausärzten, mit Pflegeinstitutionen oder mit der Bevölkerung selbst?
Eine enge Verankerung in der Region ist für uns zentral. Gemeinsam mit den Hausärztinnen und Hausärzten sichern wir die medizinische Grundversorgung im Oberaargau ab. Diese Zusammenarbeit muss sehr gut funktionieren – insbesondere mit unserem Notfallzentrum, das der Bevölkerung rund um die Uhr, sieben Tage die Woche, zur Verfügung steht. Die integrierte Versorgung des Oberaargaus mit allen wichtigen Partnern wie Pflegeinstitutionen, Spitex, Ärztinnen und Ärzten sowie dem Spital ist essenziell und richtungsweisend für die Zukunft.

Die Vorteile zeigen sich schon nach wenigen Monaten: Dank Roboter DEXTER arbeiten die SRO-Operateure ergonomischer, sitzen entspannt statt stundenlang zu stehen – und können dank der 3D-Kameratechnologie mit Vergrösserung und räumlicher Sicht präziser operieren.


OP-Roboter DEXTER

  • Hersteller: Distalmotion SA, Lausanne.
  • Modell: DEXTER® Robotic Surgery System.
  • Einsatzgebiet Allgemeinchirurgie: Eingriffe wie Hernien-und Dickdarmoperationen.
  • Einsatzgebiet Gynäkologie: Minimalinvasive Hysteretkomien und andere komplexe Eingriffe.
  • Besonderheit: Kombination von robotischer Präzision und direkter chirurgischer Kontrolle. Anders als bei herkömmlichen Robotersystemen bleibt der Chirurg bei DEXTER steril an der offenen Konsole, nah am Patienten – und kann bei Bedarf schnell zum Operationstisch wechseln.
  • Partnerkliniken im Kanton Bern: Inselspital Bern, Spital Interlaken, Spital Burgdorf, VISCERA

Jetzt die Reportage aus dem OP-Saal lesen: hier

1 Kommentar

  1. Veröffentlicht von Aya am 3. Dezember 2025 um 12:54

    Das ist gut.

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