Campus Langenthal – Berufsfachschule bfsl

«Starkes Signal für Berufsbildung»

Der Entscheid des Grossen Rats im Spätherbst 2025 ebnet den Weg für ein zentrales Zukunftsprojekt in Langenthal endgültig: Rund 95 Millionen Franken fliessen in die Sanierung und Erweiterung der Berufsfachschule (bfsl), insgesamt investiert der Kanton Bern rund 140 Millionen in den Campus an der Weststrasse. Im Interview ordnet bfsl-Rektor Marcel Joss das Projekt ein und gibt einen Überblick über Zeitplan, Bedeutung und Perspektiven bis zur geplanten Fertigstellung im Jahr 2030.

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Text: Patrick Jordi, PR / Fotos: zvg
Datum: 23. März 2026

Vorne rechts der dreigeschossige Ersatzneubau mit der gemeinsamen Mensa für bfsl und gymo, hinten links das kernsanierte und aufgestockte Gebäude der Berufsfachschule.

Marcel Joss, wie haben Sie sich persönlich nach dem Entscheid des Grossen Rats gefühlt – eher erleichtert oder einfach froh?
Ich war ehrlich gesagt unheimlich froh über die breite Unterstützung. Seit 2012 sind wir an diesem Projekt dran, es war eine lange Reise mit einer entsprechend langen Vorbereitungszeit. Als ich 2011 meine damalige Tätigkeit als Geschäftsführer bzl übernommen habe, war das eines der grössten Vorhaben, die ich mit anpacken durfte – mit dem Ziel, dass wir 2030 nun tatsächlich eine realisierte Lösung vor Augen haben.

Welche Bedeutung hat die Sanierung des Bildungszentrums Langenthal (bzl) insgesamt und die Sanierung sowie Erweiterung der bfsl im Besonderen für Langenthal und die Region Oberaargau?
Die bauliche Situation ist heute schlicht nicht mehr zeitgemäss – sowohl was den Platz für Lernende und Lehrpersonen als auch den Zustand der Gebäude und das Raumklima betrifft. Die Erweiterung ist dabei nicht als Wachstum in der Anzahl Klassen oder Lernenden zu verstehen, sondern als Anpassung an heutige pädagogische Anforderungen. Wo Ende der Siebzigerjahre ein Gebäude (Weststrasse 24) für rund 900 Lernende gebaut wurde, unterrichten wir heute rund 1500 Lernende mit ganz anderen Lernformen als damals. Über die gesamte Schule gerechnet, unterrichtet die bfsl etwa 2500 Lernende an den Standorten Weststrasse 24, 26, Waldhof, Burgdorf und Langnau.

Ist die bfsl nach der Fertigstellung nicht schon wieder am Limit – oder schafft das Projekt echten Spielraum für die Zukunft?
Wir schaffen vor allem qualitativ und quantitativ mehr Raum: zeitgemässe Lernlandschaften, Gruppenräume und flexible Unterrichtsformen statt ausschliesslich Frontalunterricht. Dazu kommt, dass auch das Angebot vom Standort Waldhof an die Weststrasse verlegt wird, was rund 250 Lernende betrifft. Mit dem gesamten Campus, der gemeinsamen Mensa als Treffpunkt und der engen Nachbarschaft zum gymo stärken wir die Attraktivität des Standorts Langenthal nachhaltig – und bringen gymnasiale und berufliche Bildung bewusst näher zusammen.

Von welchem Betrag sprechen wir konkret – und wer trägt die Kosten?
Für die Sanierung und Erweiterung der bfsl sind rund 95 Millionen Franken vorgesehen. Zusammen mit der Sanierung des Gymnasiums Oberaargau investiert der Kanton insgesamt rund 140 Millionen Franken in den Campus Langenthal (inkl. Vorbereitungsarbeiten). Die Kosten werden vollständig vom Kanton Bern getragen, für die Stadt Langenthal entsteht keine direkte finanzielle Belastung.

Für wie viele Jahre sollte die Sanierung und Erweiterung des Campus aus heutiger Sicht hinhalten?
Das ist schwierig abzuschätzen, weil sich Anforderungen und Bildungsformen stetig weiterentwickeln. Das Gymnasium stammt aus den frühen 1960er-Jahren, die Berufsfachschule aus den 1970er-Jahren – beide haben sehr lange ihren Zweck erfüllt. Wir hoffen, dass die neuen und sanierten Gebäude mindestens eine ähnlich lange Lebensdauer haben und damit für mehrere Jahrzehnte eine solide Grundlage bieten.

Wie ist die zeitliche Abfolge der Bauarbeiten geplant – und warum erfolgt die Sanierung in zwei Etappen?
Der gesamte Campus wird bewusst etappiert entwickelt, damit der Schulbetrieb jederzeit aufrechterhalten werden kann. In einer ersten Phase wird das Gymnasium Oberaargau saniert, anschliessend folgt die Sanierung und Erweiterung der bfsl. Die Übergangslösungen sind dabei aufeinander abgestimmt: Bereits im Frühling 2026 wird ein erstes Schulprovisorium erstellt, das zunächst vom gymo genutzt wird, bevor es später für die bfsl erweitert und dann von uns verwendet wird.

Was bedeutet diese Bauphase konkret für die bfsl und den laufenden Schulbetrieb?
Für die bfsl ist die öffentliche Auflage des Bauprojekts im Jahr 2026 vorgesehen, die Baueingabe liegt aktuell bei der Stadt Langenthal. Wir rechnen damit, dass die Auflage im Verlauf von 2026 erfolgt und hoffen auf eine Baubewilligung innerhalb des ersten halben Jahres. Die Vorbereitungsarbeiten bei der bfsl starten 2027, im Herbst beginnen die eigentlichen Bauarbeiten, und ab Sommer 2028 wechseln wir für zirka zwei Jahre ins Schulprovisorium. Während der gesamten Bauzeit bleibt der Unterricht gewährleistet.

Besteht die Gefahr, dass sich das Projekt verzögert oder gar verhindert wird?
Es kann im schlimmsten Fall zu zeitlichen Verzögerungen kommen, etwa im Bewilligungsverfahren. Eine Verhinderung des Projekts erwarten wir jedoch nicht, da alle gesetzlichen Vorgaben und Vorschriften eingehalten werden.

Wie setzt sich das Projekt «Berufsfachschule Langenthal» baulich konkret zusammen?
Das Projekt besteht aus zwei zentralen Elementen: Einerseits wird das bestehende Schulgebäude an der Weststrasse 24 umfassend saniert, an die heutigen Bedürfnisse angepasst und um ein zusätzliches Geschoss aufgestockt. Andererseits entsteht an der Weststrasse 22 ein dreigeschossiger Ersatzneubau mit einer gemeinsamen Mensa für bfsl und gymo, die künftig als zentraler Treffpunkt dient.

Welche Auswirkungen hat das Projekt auf Verkehr und Parkierung rund um die bfsl?
Bei den Parkplätzen bleibt alles beim Status quo: Es entstehen weder mehr noch weniger Parkplätze als heute. Das ist wichtig, weil viele Lernende aus Regionen wie dem Seeland, dem Emmental oder teils sogar aus dem Berner Oberland kommen und mit dem öffentlichen Verkehr nicht immer rechtzeitig zum Unterrichtsbeginn eintreffen. Auch für Lehrpersonen sind Parkplätze weiterhin notwendig – zusätzliche Verkehrsbelastung erwarten wir durch das Projekt jedoch nicht.

Wie gross ist das Bildungszentrum Langenthal heute – und stimmt die Einschätzung als grösste Schulorganisation im Oberaargau?
Ja, das ist korrekt. Am Bildungszentrum Langenthal (bfsl und gymo) arbeiten heute rund 270 Mitarbeitende, inklusive Verwaltung, und wir zählen insgesamt bis zu 3000 Lernende. Natürlich sind nie alle gleichzeitig vor Ort, dennoch sind diese Zahlen ein guter Gradmesser für die Grösse und Bedeutung des bzl im Oberaargau.

Welchen Stellenwert hat die Berufsbildung heute – gerade mit Blick auf die Region und zukünftige Entwicklungen?
Unsere einzigartige Berufsbildung ist für mich der Königsweg in die Zukunft. In einer Welt, die über Künstliche Intelligenz und Automatisierung spricht, ist die duale Ausbildung das Fundament unserer Wirtschaft. Während Algorithmen vieles übernehmen können, bleiben echtes Handwerk, komplexes Praxiswissen und menschliche Problemlösungskompetenz unersetzbar. Unsere Region lebt von der Substanz ihrer Betriebe. Die Berufsbildung ist dabei der Motor, der uns am Laufen hält. Mit stabilen Lernendenzahlen und engagierten Lehrbetrieben beweisen wir: Die Lehre bleibt attraktiv und ist die beste Antwort auf den Fachkräftemangel.

Vielen Dank, Marcel Joss, für dieses aufschlussreiche Gespräch und für Ihre Einschätzungen.


«Berufsbildung hat heute mehr Berechtigung denn je», ist Marcel Joss, Rektor der Berufsfachschule Langenthal bfsl, überzeugt.

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