avenir49 – Wahlpodium in der Kunsthalle
Wer führt Langenthal in die Zukunft?
Gut zwei Monate vor der Stadtpräsidiumswahl vom 30. August standen sich die beiden Kandidaten Roland Loser (SP) und Patrick Freudiger (SVP) erstmals in einem öffentlichen Wahlpodium gegenüber. In der sehr gut besuchten Kunsthalle auf dem Porzi-Areal erhielten die Besucherinnen und Besucher die Gelegenheit, die beiden Gemeinderäte im direkten Vergleich zu erleben – persönlich, politisch und nahbar. Während rund anderthalb Stunden diskutierten die Kandidaten über aktuelle Herausforderungen und Zukunftsfragen der Stadt. Im Anschluss bot ein Apéro Raum für persönliche Begegnungen und den direkten Austausch.
Text: Eing. / avenir49 / PR / Bilder: LUMEOS, zvg
Datum: 3. Juli 2026
Organisiert wurde der Anlass von avenir49, einer überparteilichen Vereinigung von Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Gesellschaft. Sie setzt sich dafür ein, Impulse für die Entwicklung Langenthals zu geben und den Dialog zwischen Politik, Wirtschaft und Bevölkerung zu fördern. Präsident Gian Kämpf betonte in seiner Begrüssung, avenir49 wolle nicht neben oder gegen die Politik arbeiten, sondern als Brückenbauer wirken und einen konstruktiven Beitrag zur Zukunft der Stadt leisten.
Durch den Abend führte die SRF-Journalistin Sonja Hasler, die im nahen Walterswil aufgewachsen ist und das Gymnasium in Langenthal besucht hat. Mit ihrer präzisen, sympathischen Art und einem humorvollen Einstieg sorgte sie von Beginn an für eine angenehme Atmosphäre. Bevor die politischen Themen im Mittelpunkt standen, lernten die Besucherinnen und Besucher die beiden Kandidaten anhand persönlicher Kurzfragen von einer ungewohnten Seite kennen. Schlagfertige Antworten, spontane Reaktionen und manche Pointe lockerten den Abend auf und sorgten immer wieder für Lacher im Publikum. So einigten sich beide Kandidaten augenzwinkernd auf «zwei Harassen Langenthaler Bier» als angemessene Lösegeldsumme für ihre Freilassung – ein humorvoller Auftakt, bevor es ans Eingemachte ging.
Die Zukunft der Stadt im Fokus
Anschliessend bestimmten die grossen politischen Themen und Herausforderungen der kommenden Jahre den weiteren Verlauf des Abends. Vertreterinnen und Vertreter aus Gewerbe, Kultur, Sport, Bildung, Gesundheitswesen und Regionalentwicklung stellten den Kandidaten konkrete Fragen aus ihrem jeweiligen Fachbereich. Diskutiert wurden unter anderem die Entwicklung der Innenstadt, Verkehr und Mobilität, Rahmenbedingungen für das Gewerbe, Kulturförderung, Gesundheitsversorgung, Digitalisierung der Verwaltung, Schulraumplanung, Sportinfrastruktur sowie die Zusammenarbeit innerhalb der Region Oberaargau.
Dabei zeigte sich, dass beide Kandidaten zahlreiche Herausforderungen ähnlich einschätzen, bei den Lösungsansätzen jedoch unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Besonders deutlich wurde dies etwa bei der Diskussion über die Zukunft der Innenstadt. Während Roland Loser für mehr Aufenthaltsqualität plädierte und sich langfristig sogar eine autofreie Hauptachse zwischen Coop Tell und Manor vorstellen könnte, sprach sich Patrick Freudiger dafür aus, die Marktgasse zwar weiterhin verkehrsfrei zu halten, den motorisierten Verkehr in angrenzenden Bereichen jedoch nicht grundsätzlich zu verbannen. Geschäftsnahe Parkplätze seien für das Gewerbe wichtig, betonte er.
Auch beim Thema Wirtschaft wurden unterschiedliche Akzente sichtbar. Freudiger forderte weniger Bürokratie und mehr Pragmatismus – etwa bei Werbebeschriftungen oder bei Bewilligungsverfahren für leerstehende Ladenlokale. Loser setzte den Fokus auf attraktive öffentliche Räume mit Begrünung, Gastronomie und Begegnungszonen, um die Innenstadt als Einkaufs- und Aufenthaltsort weiter zu stärken. Beim Thema Kultur waren sich beide wiederum einig, dass das OldCapitol künftig ebenfalls zu den regional bedeutenden Kulturinstitutionen zählen sollte.
Schulen, Eissport und Digitalisierung
Ein weiteres grosses Thema war die Bildungs- und Sportinfrastruktur. Beide Kandidaten bezeichneten Investitionen in Schulen als Kernaufgabe der Gemeinde und stuften diese sogar höher ein als Investitionen in Sportanlagen. Gleichzeitig bekannten sie sich klar zum Eissportstandort Langenthal. Während Loser betonte, eine Sanierung der Kunsteisbahn müsse in ein ausgewogenes Gesamtbild der städtischen Investitionen passen, sprach Freudiger von einer «letzten Chance», das Projekt nun erfolgreich umzusetzen. Auch die Schulraumplanung beschäftigte beide intensiv – insbesondere die dringend notwendigen Investitionen in Kindergärten und Schulhäuser.
Zur Sprache kamen zudem die Digitalisierung der Verwaltung, die Entwicklung des Areals Alte Mühle, die regionale Zusammenarbeit sowie die langen Bewilligungsfristen für Baugesuche. Hier setzte Loser auf Digitalisierung und den gezielten Einsatz künstlicher Intelligenz, um Abläufe zu beschleunigen. Freudiger hob dagegen die Bedeutung einer Führungskultur hervor, welche der Verwaltung Vertrauen schenke und den Mitarbeitenden den nötigen Handlungsspielraum gebe (Stichwort: 80/20-Regel).
Immer wieder stellte Sonja Hasler auch Fragen, welche die Persönlichkeiten der beiden Kandidaten sichtbar machten. So verrieten sie unter anderem ihren Führungsstil, nannten ihre Lieblingsorte in Langenthal, beantworteten Fragen zu ihren Prioritäten als Stadtpräsident oder erklärten, welches Projekt sie mit zehn Millionen Franken zusätzlich sofort realisieren würden. Freudiger investierte gedanklich in die Erweiterung der Kunsteisbahn und die Sanierung der Schulanlage Hard, während Loser die Gelegenheit nutzen würde, das LAKUZ umfassend zu sanieren und in eine Stiftung zu überführen. Solche persönlichen Einblicke verliehen dem Podium neben den politischen Diskussionen einen abwechslungsreichen Charakter.
Reger Austausch bis zum Schluss
Nach den thematischen Fragerunden erhielt auch das Publikum das Wort. Zahlreiche Besucherinnen und Besucher nutzten die Gelegenheit, eigene Anliegen einzubringen und die Kandidaten direkt zu Themen wie Frühförderung, Spielgruppen, der Vereinbarkeit des Stadtpräsidiums mit Beruf und Familie oder der Zusammenarbeit zwischen Gemeinderat und Stadtrat zu befragen. Auch visionäre Ideen fanden ihren Weg ins Podium – etwa eine Überbauung des Sagibach-Parkplatzes oder neue Nutzungsmöglichkeiten für das Markthallenareal. Die lebhafte Beteiligung zeigte, wie gross das Interesse an der bevorstehenden Stadtpräsidiumswahl ist.
Pünktlich nach rund anderthalb Stunden schloss Sonja Hasler das Podium mit einer persönlichen Schlussfrage an beide Kandidaten: Was schätzen sie am jeweils anderen? Roland Loser hob Patrick Freudigers Schlagfertigkeit und seine pointierten Voten hervor. Freudiger wiederum würdigte Losers Informatik-Fachwissen und dessen Kompetenz in der Digitalisierung. Ein sympathischer Schlusspunkt unter einer engagierten, aber jederzeit respektvoll geführten Diskussion.
Beim anschliessenden Apéro blieb die Kunsthalle noch lange nicht leer. Zahlreiche Gäste nutzten die Gelegenheit, mit den beiden Kandidaten, den Organisatoren von avenir49 und untereinander ins Gespräch zu kommen. Damit endete ein Informations- und Dialogabend, der den Besucherinnen und Besuchern kurz vor der Stadtpräsidiumswahl nicht nur einen vertieften Einblick in die politischen Positionen von Roland Loser und Patrick Freudiger bot, sondern auch aufzeigte, wie vielfältig die Themen sind, welche die Zukunft Langenthals in den kommenden Jahren prägen werden.
Mehr Infos: www.avenir49.ch
Schlagworte: Stadt Langenthal