Bourquin SA, Oensingen – Unternehmerporträt
Zwei Verpackungsprofis aus Langenthal
Wer online bestellt, Pizza isst oder eine neue TV-Box auspackt, hält sie fast sicher schon in den Händen: eine Kartonverpackung aus Oensingen. Produziert von der Bourquin SA. Gedacht hat daran wohl kaum jemand. Und noch weniger Leute wissen, dass hinter den Verpackungen aus der nahen Jurasüdfuss-Gemeinde zwei Unternehmer aus Langenthal stehen.
Text: Patrick Jordi, PR / Fotos: zvg
Datum: 7. Mai 2026
Karton gehört zu unserem Alltag. Man öffnet eine Schachtel, entnimmt den Inhalt, faltet die Verpackung zusammen und recycelt sie. Dass diese Verpackung zuvor geplant, entwickelt und produziert wurde, bleibt meist unbeachtet. Dabei hätte dieser Prozess durchaus Aufmerksamkeit verdient – gerade aus einer Langenthaler Perspektive. Denn ein beträchtlicher Teil der Kartonverpackungen, die in der Schweiz täglich im Einsatz sind, stammt aus einem Werk in Oensingen SO, nur rund 15 Fahrminuten von Langenthal entfernt.
Bemerkenswert ist zudem, dass bei der Bourquin SA zwei Personen aus Langenthal tonangebend sind: Guido Bardelli als Mitglied des Verwaltungsrates und René Studer als Geschäftsführer. Zwei Unternehmer, deren Lebenswege eng mit der Stadt verbunden sind. Beide besuchten im Kreuzfeld die Schulen, beide leben in Langenthal, beide sind gesellschaftlich fest hier verankert. MYLA stellt sie im Unternehmerportrait vor.
Start ins Berufsleben bei Ammann
Guido Bardelli (Jahrgang 1950) wuchs zunächst auf der italienischen Seite des Lago Maggiore auf. Mit fünf Jahren kam er mit seiner Familie in die Schweiz nach Langenthal, wo der Vater bereits seit einiger Zeit beim Maschinenbauunternehmen Ammann arbeitete. «Nach der Schulzeit absolvierte ich eine Lehre als Maschinenzeichner bei Ammann, später holte ich auf dem zweiten Bildungsweg die Matura nach», erzählt Guido Bardelli. 1980 schloss er das Studium als diplomierter Maschineningenieur ETH ab; mit 29 Jahren erhielt er das Schweizer Bürgerrecht (mit Heimatort Langenthal).
Beruflich führte der Weg zunächst zurück zu Ammann, später in die Unternehmensberatung zu STG Coopers & Lybrand, heute PwC. In dieser Funktion betreute Guido Bardelli unter anderem ein Mandat bei der Bourquin SA. Daraus entwickelte sich 1994 eine feste Anstellung im Unternehmen. Als sich um die Jahrtausendwende mangels Nachfolge eine Übernahmemöglichkeit ergab, erwarb Guido Bardelli die Bourquin SA im Rahmen eines Management-Buyouts und wurde Eigentümer. Nach dem Rücktritt als Geschäftsführer blieb er Mitglied des Verwaltungsrates. Für sein umfassendes Wirken wurde er 2023 mit dem KMU Swiss Award als Unternehmer des Jahres ausgezeichnet.
Neben der unternehmerischen Tätigkeit engagierte sich Guido Bardelli über viele Jahre im lokalen Sport. 17 Jahre lang präsidierte er den FC Langenthal und ist dem Verein bis heute als Sponsor verbunden. «Fussball begleitete mich jedoch schon in jungen Jahren – bis heute bin ich ein begeisterter Anhänger von Juventus Turin», berichtet Bardelli. Daneben interessieren ihn Musik und Film – in seinem Eigenheim an der Bützbergstrasse betreibt er einen kleinen Kinosaal mit rund 30 Plätzen, den er privat nutzt.
DJ, «Hündeler» und Fasnächtler
René Studer (Jahrgang 1963) wuchs in Melchnau auf und kam in der vierten Klasse nach Langenthal. Sein Vater führte an der Bützbergstrasse die Studer Startnummern GmbH; bis heute ist in der Stadt hie und da vom «Startnummern-Studer» die Rede. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Langenthal absolvierte René Studer verschiedene Aus- und Weiterbildungen und schloss schliesslich einen Master of Advanced Studies mit den Schwerpunkten Unternehmensführung und Change Management an der Fachhochschule Nordwestschweiz ab.
Berufliche Stationen führten ihn in unterschiedliche Unternehmen, bevor er 2015 zur Bourquin SA stiess. Dort übernahm René Studer zunächst die Verantwortung für Finanzen und IT und wurde Mitglied der Geschäftsleitung. «Letztes Jahr konnte ich schliesslich durch besondere Umstände die Geschäftsführung des Unternehmens übernehmen», erzählt Studer. Er wohnt im Schoren-Quartier, ist leidenschaftlicher «Hündeler» und engagiert sich im kulturellen Leben der Stadt. Bekannt ist er als ehemaliges Vorstandsmitglied des SC Langenthal und als Fasnächtler und Gründungsmitglied der Wagenbauclique Brauigeischter – regelmässig tritt er an deren Sommeranlass als DJ auf. In früheren Jahren legte René Studer zudem im legendären Bützberger Nachtclub Pascha als DJ auf und war dort auch im Management tätig.
Übrigens: Das berufliche Zusammenfinden der beiden war nicht geplant. Als sich René Studer 2015 bei der Bourquin SA vorstellte, kannte Guido Bardelli den Langenthaler zwar dem Namen nach, persönlich jedoch nicht. «Was kommt da für einer?», habe er sich damals gefragt. Die Zusammenarbeit entwickelte sich Schritt für Schritt – und sehr positiv. Verantwortung wurde sukzessive übergeben, Zuständigkeiten klar geregelt. Heute prägen Guido Bardelli und René Studer die strategische Ausrichtung der Bourquin SA gemeinsam: der eine als Eigentümervertreter im Verwaltungsrat, der andere als operativer Geschäftsführer.
Bei Verpackungen ganz vorne mit dabei
Die Bourquin SA blickt auf eine über hundertjährige Geschichte zurück. Was im 19. Jahrhundert im Val-de-Travers mit der Herstellung von Strohhülsen begann, entwickelte sich über mehrere Generationen zu einem der bedeutendsten familiengeführten Anbieter von Verpackungslösungen aus Voll- und Wellkarton in der Schweiz. Heute beschäftigt das Unternehmen um die 225 Mitarbeitende und erzielt einen Jahresumsatz von rund 60 Millionen Franken. Die Standorte in Oensingen SO, Couvet NE und Schlieren ZH sichern eine fast schweizweite Präsenz und kurze Lieferwege.
Eine zentrale Rolle spielt dabei der Produktionsstandort Oensingen. Hier investierte das Unternehmen in den vergangenen Jahren gezielt in die Zukunft. Im November 2024 nahm die Bourquin SA eine neue, hochmoderne Wellpappenanlage in Betrieb. Rund 18 Millionen Franken flossen in den Ausbau von Produktionskapazitäten, in moderne Technologie und in eine verbesserte Energieeffizienz. Mit der neuen Anlage konnten nicht nur Leistungsfähigkeit und Flexibilität gesteigert, sondern auch der Energieverbrauch gesenkt werden. Photovoltaikanlagen auf den Dächern der bestehenden Gebäude und des Neubaus sind Teil dieses Investitionspakets.
Die Produkte aus Oensingen begleiten den Alltag vieler Menschen, ohne dass deren Herkunft bewusst wahrgenommen wird. Verpackungen für den Onlinehandel, für Lebensmittel oder für Medizinal- und Hygieneprodukte: Karton ist ein funktionaler Bestandteil moderner Logistik- und Konsumketten. Für Bourquin SA bedeutet das eine besondere Verantwortung – gegenüber Kunden, Mitarbeitenden und Umwelt. «Eine Verpackung ist der Anzug eines Produkts. Sie muss schützen, funktionieren und passen – sonst erfüllt sie ihren Zweck nicht», gibt Verpackungsprofi Guido Bardelli zu verstehen.
Wie erwähnt, gehört zur Unternehmensgruppe auch der Standort Schlieren. Wer regelmässig mit dem Zug von Langenthal in Richtung Zürich unterwegs ist, kennt ihn: den markanten blauen Kubus von «Brieger Verpackungen», der vielen Reisenden ins Auge fällt. Auch hier werden Verpackungslösungen entwickelt, die im Alltag eine selbstverständliche Rolle spielen.
Die spannenden Verpackungswelten von Bourquin und Brieger besser kennenlernen: