Ein Tag im Leben von ...
Zwischen Bob und Polizei
Noemi Beutler (23) aus Langenthal ist Bob-Anschieberin im Weltcup – und Polizistin. Mitten in der Ausbildung balanciert sie Spitzensport, Beruf und WG-Alltag.
Text: Patrick Jordi, PR / Bilder: zvg
Datum: 17. Dezember 2025
«Wenn ich morgens früh in meiner WG in Langenthal den Wecker höre, weiss ich meist schon, wie der Tag verlaufen wird. Disziplin und Planung gehören längst zu meinem Alltag – egal ob im Polizeidienst oder im Spitzensport.
Ursprünglich habe ich Medizinische Praxisassistentin gelernt. Ein sicherer Beruf, aber ich spürte schnell: Ich brauche mehr Abwechslung, mehr Action. Heute bin ich Polizistin – auch wenn ich meine Ausbildung noch nicht ganz abgeschlossen habe. Normalerweise dauert die Polizeischule zwei Jahre Vollzeit. Ich absolviere sie jedoch im Spezialmodus in vier Jahren. Während der ersten zwei Jahre war ich in Hitzkirch (LU), seit Sommer 2025 bin ich in Bern bei der Kantonspolizei. Dort strecke ich das eine Ausbildungsjahr auf zwei Jahre. Vollständig fertig bin ich erst 2027 – aber schon in den kommenden beiden Jahren werde ich im Einsatz ausrücken. Damit ermöglicht mir die Kantonspolizei Bern, auf sehr hohem Niveau Bob zu fahren. Ich war sozusagen die Testperson für dieses Modell.
Mein Alltag im Sommer unterscheidet sich stark vom Winter. Wenn ich an die warmen Monate zurückdenke, war der Rhythmus klar: Früh aufstehen, Ausbildung in Bern, danach Anschubtraining. Ob in Filzbach (GL) oder Andermatt (UR) – ich sass oft stundenlang im Auto, um rechtzeitig auf der Bahn zu sein. Dort hiess es: aufwärmen, anschieben, Krafttraining. Sechs bis sieben Einheiten pro Woche, manchmal zwei Trainings pro Tag – das war mein Sommer. Nach Hause kam ich oft erst am Abend, müde, aber sehr zufrieden. Das Essen vorkochen für die nächsten Tage gehörte genauso dazu wie das schnelle Einschlafen, um am nächsten Morgen wieder fit zu sein.
Im Winter dagegen verschiebt sich mein Leben in die Berge. Oft sind wir mit dem Team eine Woche fix an einem Ort, dann wieder woanders. Am Morgen stehen wir in der Garage, bereiten den Bob vor, montieren die Kufen, laden alles ins Transportfahrzeug. Auf der Bahn folgen zwei bis drei Läufe, danach wieder abbauen, trocknen, Material pflegen. Am Nachmittag geht es ins Athletiktraining: Sprint oder Kraft. Das Leben unterwegs ist anstrengend, aber ich schätze die Teamarbeit sehr. Wir verbringen den ganzen Winter miteinander, da muss die Chemie stimmen.
Ich bin Anschieberin – mein Job ist der Start. Gemeinsam mit der Pilotin holen wir die entscheidenden Hundertstel heraus. Es ist ein Knochenjob, bei dem man alles selbst trägt, vom Bob über die Kufen bis zum Werkzeug.
Neu starten wir im Weltcup, nachdem wir letzte Saison noch im Europacup gefahren sind. Wie viele Einsätze ich tatsächlich haben werde, entscheidet sich jeweils kurzfristig. Die Saison hat Ende November begonnen und führt uns bis Februar quer durch Europa. Weil es eine Olympiasaison ist, steht ausnahmsweise kein Überseerennen auf dem Programm. Für mich ist klar: Ich will nicht nur als Reserve dabei sein, sondern wirklich am Start stehen.
Mein Leben ist intensiv, aber genau so will ich es. Ich weiss, welche Ziele ich habe – und ich bin bereit, hart dafür zu arbeiten.»
Protokoll: Patrick Jordi
Hinweis
Wer mich auf meinem sportlichen Weg unterstützen möchte – zum Beispiel als Sponsorin oder Sponsor –, darf sich gerne bei mir melden – oder auch direkt einen «Zustupf» spenden, siehe IBAN-Nummer:
noemibeutler@bluewin.ch
CH49 8080 8002 6758 7623 9
Dieser Beitrag wurde ermöglicht von der Beutler Bautech GmbH, Aarwangen.
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