Portrait Valerio Moser.
Zwischen Weltbühne und Heimspiel
Der Europameistertitel im Poetry Slam hat Valerio Moser im vergangenen Herbst bis an die internationale Spitze geführt. Nun stehen für den Langenthaler Künstler gleich zwei weitere Meilensteine bevor: Im Oktober vertritt er die Schweiz an der Weltmeisterschaft in Südafrika, wenige Tage später feiert sein neues Soloprogramm «mannomann» Premiere. MYLA hat Valerio getroffen und mit ihm über die Vorbereitungen, die internationale Slam-Szene und sein neues Bühnenprogramm gesprochen.
Text: pj / Fotos: Dres Hubacher
Datum: 1. September 2026
Als Valerio Moser im Oktober 2025 in Berlin den Europameistertitel im Poetry Slam gewann, öffnete sich für den Langenthaler eine neue Tür. Der Sieg bedeutete nicht nur die Krönung eines erfolgreichen Jahres, sondern auch die Qualifikation für die Poetry-Slam-Weltmeisterschaft, die Anfang Oktober 2026 im südafrikanischen Durban stattfindet. Dort treffen die besten Poetinnen und Poeten aus rund 40 Ländern aufeinander – ein internationales Treffen, das für Valerio weit mehr ist als ein Wettkampf.
«Ich reise nicht mit einem kompetitiven Gedanken an», sagt er. Natürlich gehe es auch um den Titel, letztlich entscheide aber die Tagesform und das Publikum über vieles. Viel wichtiger sei für ihn die Begegnung mit Menschen aus aller Welt. Viele der europäischen Teilnehmenden kenne er bereits von früheren Festivals und Auftritten. Über die Jahre sei ein internationales Netzwerk entstanden, das den Austausch über Sprach- und Landesgrenzen hinweg ermögliche.
Während andere ihre Texte auf Englisch präsentieren, bleibt Valerio seiner Muttersprache treu. Er wird in Durban bewusst auf Schweizerdeutsch auftreten. «Ich schreibe meine Texte in der Sprache, die mir am nächsten ist.» Dass das Publikum den Wortlaut oft nur über Übersetzungen oder teilweise gar nicht versteht, schreckt ihn nicht ab. Gerade im Poetry Slam seien Rhythmus, Klang und Bühnenpräsenz oft ebenso entscheidend wie jedes einzelne Wort.
Parallel zur Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft arbeitet Valerio an seinem dritten Soloprogramm. Dieses trägt den Titel «mannomann» und feiert am 22. Oktober 2026 im Stadttheater Langenthal Premiere. Im Zentrum steht die Frage, was Männlichkeit heute eigentlich bedeutet – ein Thema, das ihn seit längerer Zeit persönlich beschäftigt und in den vergangenen Monaten und Jahren auch gesellschaftlich immer stärker in den Fokus gerückt ist.
Antworten liefern will er dabei bewusst keine. Vielmehr versteht Valerio das Stück als Einladung, gemeinsam über Rollenbilder, Erwartungen und eigene Erfahrungen nachzudenken. Die intensive Auseinandersetzung mit Büchern, Podcasts und Gesprächen habe ihn auch selbst verändert. Heute versuche er bewusster, über Gefühle zu sprechen und auch in Freundschaften offener mit Emotionen umzugehen.
Trotz der ernsten Thematik soll «mannomann» vor allem unterhalten. Valerio setzt auf Humor, Selbstironie und Situationen aus dem Alltag. Für seine Recherchen besuchte er unter anderem eine Männermesse – eine Fundgrube skurriler Beobachtungen, die den Weg auf die Bühne finden werden. «Ich will nicht mit erhobenem Zeigefinger auftreten», sagt er. Viel lieber möchte er das Publikum zum Lachen bringen und vielleicht den einen oder anderen Gedanken mit auf den Heimweg geben.
Bei aller internationalen Aufmerksamkeit ist Langenthal für Valerio nach wie vor Lebensmittelpunkt und Inspiration zugleich. Er schätzt die lebendige Kulturszene, wünscht sich aber mehr Möglichkeiten, kulturelle Veranstaltungen sichtbar zu machen. «Es passiert unglaublich viel – oft erfährt man einfach zu spät davon.» Gerade niederschwellige Plattformen für lokale Kultur könnten aus seiner Sicht viel bewirken.
Bevor Ende Oktober der Vorhang zur Premiere von «mannomann» aufgeht, wartet zunächst das Abenteuer Südafrika. Für Valerio sind beide Ereignisse eng miteinander verbunden: Die Weltmeisterschaft eröffnet neue Horizonte, das Solostück führt ihn zurück auf die Bühne seiner Heimatstadt. International unterwegs – und doch fest in Langenthal verwurzelt.
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